Schmerzmedizin 6 / 2017

Neuer Ansatz Schmerzfrei ohne Opioide? — — Opium stillt bekanntlich Schmerzen, indem es Ionenkanäle in Nozizeptoren blockiert. Diese bieten sich als Ansatzpunk- te einer Schmerzbehandlung an, die ohne Opiumverabreichung auskommt, wie eine Forschungsgruppe in einer aktuellen Unter- suchung zeigt (eLife 2017; 6: e26280). Das Team klärte das Zusammenwirken von Molekülen auf, die an der Schmerzempfin- dung beteiligt sind, teilt die Philipps-Uni- versität Marburg mit. Dazu wurde eine Verbindung zwischen Opioidrezeptoren, die unmittelbar mit Morphin interagieren, und TRPM3-Kanälen hergestellt, die in denselben Zellen lokalisiert und am Schmerzempfinden beteiligt sind. In Zell- kulturen aktivierten die Wissenschaftler Opioidrezep-toren, indem sie Morphin zu- setzten. Außerdem testeten sie die Wir- kung der morphinähnlichen, synthetischen Substanz DAMGO. Das Ergebnis: Schaltet man Opioidrezepto- ren an, indem man sie durch Morphin oder DAMGO reizt, so hemmten sie die TRPM3- Kanäle. Diese waren dann weniger durch- lässig für Kalzium- und Natriumionen. Auf diese Weise lasse sich die Schmerzempfin- dung verringern. Das Team identifizierte auch weitere Moleküle, die an der Wechsel- wirkung zwischen Opioidrezeptoren und TRPM3-Kanälen beteiligt sind, so die Univer- sität. Diese hemmen die Kanalproteine ebenfalls. Wenn es gelänge, die TRPM3-Kanäle auf andere Weise als durch Opiumbestandteile zu blockieren, könnten schmerzstillende Ergebnisse erzielt werden, aber unter Um- ständen mit weniger nachteiligen Folgen als bei Opiumverabreichung. „Bei Mäusen zeigen sich keine unerwünsch- ten Nebenwirkungen, wenn ihnen das TRPM3-Gen fehlt“, werden die Studienauto- ren zitiert. „Medikamente, die sich gegen TRPM3-Kanäle richten, könnten daher ein brauchbares Mittel gegen Schmerz sein.“ (eb) Noceboeffekt Mehr Nebenwirkungen bei Scheinpräparat? — — Scheinmedikamente können bekann- terweise nicht nur einen heilsamen Place- bo-, sondern auch einen nachteiligen Noce- boeffekt haben. Wie Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) berichten, verstärkt sich diese Wir- kung, wenn Patienten glauben, es handele sich um ein teures Mittel (Science 2017; on- line 6. Oktober). Für die Studie erhielten 49 Teilnehmer ein Scheinmedikament. Ihnen wurde gesagt, zu den Nebenwirkungen des Präparats zähle ein erhöhtes Schmerzempfinden. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielt zudem die Information, das Mittel sei günstig, die anderen dachten, es sei teuer. Resultat: Jene Probanden, die von einem teuren Mittel ausgingen, verspürten mehr Schmerz als die übrigen. Um die neuronalen Grundlagen zu klären, untersuchten die Forscher die Teilnehmer mit einer Formder funktionellen Magnetre- sonanztomografie (fMRT), die die aktivier- ten Hirnareale darstellt. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Wert eines Medikaments zusätzlich zu den negativen Erwartungen das Schmerzempfinden be- einflussen kann“, erklärte Autorin Alexandra Tinnermann vom Institut für Systemische Neurowissenschaften des UKE. „Auch die Verarbeitung von Schmerzreizen im Rü- ckenmark wird durch diese Faktoren verän- dert.“ (dpa) Universität Heidelberg Jugendliche mit Kopfweh für Studie gesucht — — Wissenschaftler des Universitätsklini- kums Heidelberg suchen für eine Studie Probanden zwischen 14 und 17 Jahren, die aktuell an Spannungskopfschmerzen leiden oder mindestens eine Episode durchlebt haben. Die Forscher wollen die Wirkung transkutaner Vagusnerv­ stimulation erforschen. Dabei wird eine Elektrode am Ohr des Patienten befes- tigt, die den Hirnnerv stimuliert. Es ist bekannt, dass die Aktivität des Vagusnervs bei Erwachsenen mit primä- ren Kopfschmerzen vermindert ist. Angesetzt sind zwei zweistündige Termine, die Teilnahme wird mit 50 Euro vergütet. (eb) Weitere Informationen erhalten Sie über Telefon: 06221 5637504 oder E-Mail: Jasmin.Liebemann@med.uni-heidelberg.de ©© Jan Andersen / Fotolia Morphin aktiviert Opioidrezeptoren, die wiederum TRPM3-Kanäle hemmen. Die- se könnten neue Targets sein. ©© serge01 / Fotolia Schmerzmedizin 2017; 33 (6) 9

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