Schmerzmedizin 6 / 2017

des Hautausschlags, wird von posther- petischer Neuralgie (PHN) gesprochen. Je älter der Zoster-Patient ist, desto wahrscheinlicher wird eine PHN: Liegt die Rate bei etwa 50-Jährigen bei 10%, ist bei über 85-jährigen Zoster-Patien- ten jeder zweite Opfer der PHN – mit teils brennenden Dauerschmerzen, atta- ckenartigen lanzinierenden Schmerzen und/oder Allodynie/Hyperpathie. Hin- zu kommt ein zum Teil quälender Juck- reiz. Die Schmerztherapie erfolgt nach der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Mittel der ersten Wahl sind trizyklische Antidepressiva, gegebenenfalls selektive Serotonin- (Noradrenalin-)Wiederaufnahmehem- mer (SSRI/SNRI) wie Duloxetin sowie die Kalziumkanal-modulierenden Anti- konvulsiva Gabapentin oder Pregabalin und/oder – vor allem bei einschießen- den Schmerzen – Carbamazepin als Na- triumkanal-modulierendes Antikonvul- sivum. Individuelle Dosis entscheidend „Wichtig ist, die individuelle Dosis mit zu Beginn niedrigen Medikamentenkon- zentrationen zu titrieren. Ziel ist eine mindestens 30- bis 50-prozentige Schmerzlinderung“, sagt Emrich. „Die- ses Setting kann von nichtmedikamen- tösen und lokalen Verfahren flankiert werden.“ Dazu gehören topische Verfahren mit Lidocain oder ein Versuch mit Capsai- cin-Pflastern sowie Lokal- und Lei- tungsanästhesien. Eine transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) muss supraläsionell oder kontralateral erfolgen, keinesfalls im Schmerzgebiet. Besonders schwere Fälle „Als Ultima Ratio bei therapieresisten- ten, quälenden Schmerzen kann ein Versuch mit invasiven Neurostimulati- onsverfahren stehen“, sagte Emrich. Wollina und Machetanz verweisen zu- dem auf eine kleine offene Studie bei fa- zialer PHN, in der fünf von acht Patien- ten mit einer topischen Behandlung mit dem Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten N-Palmitoylethanolamin geholfen wer- den konnte [J Dtsch Dermatol Ges 2010;8:88–91]. Thomas Meißner Prävention Eine Impfung reduziert das Zoster-Risiko Mit einer Impfung lässt sich das Risiko für die Reaktivierung von Varizella-zoster-Viren (VZV) verringern. Z um Schutz gegen Herpes zoster gibt es eine attenuierte Lebend- vakzine ( ®), die einmalig ab einem Alter von 50 Jahren geimpft werden kann. So wird die VZV-spezifi- sche Immunität aufgefrischt. Nach den Zulassungsstudien lässt sich damit bei gesunden Menschen etwa jede zweite Gürtelrose verhindern. Und wer trotz Impfung erkrankt, hat nach den Daten ein deutlich vermindertes Risiko für eine postherpetische Neuralgie. STIKO-Empfehlung negativ Die Ständige Impfkommission (STIKO) lehnt zurzeit allerdings eine Empfehlung für diese Vakzine als Standardimpfung ab. Die Daten zu Wirksamkeit, Schutz- dauer und Sicherheit des Impfstoffs ha- ben das Gremium nicht überzeugt. So nimmt die Wahrscheinlichkeit an Her- pes zoster zu erkranken und die Schwe- re der Erkrankung mit dem Alter deut- lich zu, wogegen die Wirksamkeit der Impfung mit dem Alter abnimmt. RKI und SIKO sehen das anders Im Einzelfall kann die Impfung aber er- wogen werden, heißt es beim Robert- Koch-Institut (RKI): „Eine Abwägung des individuellen Risikos hinsichtlich einer Herpes-zoster-Erkrankung mit dem möglichen Nutzen einer Impfung“ könne zu einer Impfentscheidung füh- ren, so das RKI. Die Sächsische Impf- kommission (SIKO) geht weiter und empfiehlt die Impfung seit dem Jahr 2010 allen Menschen ab dem 50. Lebens- jahr. Die Bundesländer Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vor- pommern haben sich dieser Empfehlung inzwischen angeschlossen. Hoffnung auf neue Vakzine Verbesserter Schutz ist in Sicht: Eine nach Studiendaten deutlich wirksamere Zoster-Vakzine befindet sich derzeit im Zulassungsverfahren. Diese hat fast kei- nenWirkverlust imAlter und wäre auch bei Immunschwäche einsetzbar. Wolfgang Geissel/ Thomas Meißner Soll man, oder soll man nicht? Impfung gegen Zoster ©© Stephanie Eckgold / Fotolia Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2017; 33 (6) 45

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