den Kampf für eine bessere schmerzme-
dizinische Versorgung und die Auseinan-
dersetzung mit gesundheitspolitischen
Entscheidungsträgern?
Bedarfsplanung als Ziel
DGS-Vizepräsident Dr. Oliver Emrich
aus Ludwigshafen stellte zunächst klar,
dass sich alle Fachgesellschaften in einem
permanenten Austausch befinden, bisher
allerdings mit Blick auf diesen Facharzt
noch keinen Konsens gefunden haben.
Deutlich wurde, dass der Dissens im
Kern ein Konflikt widerstreitender Inte-
ressen zwischen Kliniken und Vertretern
der ambulanten Versorgung ist. DGS-Vi-
zepräsident Dr. Johannes Horlemann aus
Kevelaer nannte die Debatte ein klassi-
sches Beispiel für „Pfründepolitik“. „Wir
sehen keine Organisation, die so auf Sei-
ten der Patienten steht, wie unsere Fach-
gesellschaft“, sagte er. Patienten dürften
nicht als „Futter für Gesundheitsmaschi-
nerien“ missbraucht werden, warnte Hor-
lemann: „Zu dieser Maschinerie gehören
auch große Universitätskliniken.“ Patien-
ten benötigten eine ständige persönliche
Zuwendung. Die sei aber nicht gewähr-
leistet, „wenn wechselnde Ärzte wech-
selnde Strategien fahren.“
Für die Einführung des umstrittenen
Facharztes sprechen aus Sicht der DGS
viele Argumente: Umdie Versorgung von
Millionen chronisch kranker Schmerzpa-
tienten sicherzustellen, werde eine solide
Bedarfsplanung benötigt. Die gibt es für
diese Patientengruppe bisher nicht. Be-
darfsplanung orientiert sich an Fachge-
bieten, nicht an Zusatzbezeichnungen.
Weil Schmerzmedizin eine Zusatzbe-
zeichnung ist, gibt es hier keine Bedarfs-
planung. Und damit keine Sicherstellung
und keine Gewährleistung, wenn es um
Kontinuität in der Betreuung geht.
Schmerzpatienten benötigen Kompe-
tenz auf allen Fachgebieten, so die DGS.
Chronische Schmerzen müssten endlich
als eigenständige Erkrankung diagnosti-
ziert und therapiert werden. Das solle der
Facharzt für Schmerzmedizin leisten.
Die Klientel dieses Facharztes sollten
aus DGS-Sicht Patienten sein, die in
den abgestuften Versorgungsstrukturen
vom Hausarzt über den Facharzt auch
mit fachgebietsbezogener spezieller
Schmerztherapie nicht ausreichend be-
handelt werden können. Dabei müsse es
ein klares, eindeutiges Zugangsmanage-
ment geben.
Gesundheitspolitiker und die Kassen-
ärztlichen Vereinigungen nehmen für
Schmerzpatienten den Sicherstellungs-
auftrag nicht wahr, kritisierte Emrich.
Dabei trügen niedergelassene Ärzte die
Hauptlast der Versorgung. „Von einer
funktionierenden abgestuften Versor-
gung vom Allgemein- zum Facharzt bis
hin zu spezialisierten Zentren und Klini-
ken kann inDeutschland keine Rede sein“,
stellte Emrich klar. Es mangele einfach an
allem: der Zahl ärztlicher Schmerzthera-
peuten, der Zahl von Schmerzambulan-
zen und vor allem an der Zahl fachkun-
diger Psychotherapeuten.
Nachwuchsförderung wichtig
Die DGS sorgt sich auch um den Ärzte
nachwuchs. Beim Schmerztag wurde ein
spezieller Workshop angeboten, der Stu-
denten schon früh für die Bedeutung der
Schmerzmedizin sensibilisieren soll.
„Wir haben in den vergangenen Jahren
ein steigendes Interesse erlebt“, sagte Dr.
Silvia Maurer, DGS-Vizepräsidentin aus
Bad Bergzabern. Das Trommeln um Stu-
denten soll weiter intensiviert werden.
Die studentische Ausbildung und Prü-
fung im Querschnittsfach Q 14 Schmerz-
medizin ist seit der Aufnahme in der Ap-
probationsordnung für Ärzte im Juli
2012 zwar ab 2016 gesetzlich vorgeschrie-
ben, allerdings sind die dafür benötigten
Strukturen bisher kaum flächendeckend
vorhanden, hieß es in Frankfurt
Schmerzmedizinische Versorgung
kann auch heute schon funktionieren, so
DGS-Vizepräsident Klaus H. Längler aus
Erkelenz. Er stellte einen erfolgreichen
IV-Vertrag für Rückenschmerzpatienten
vor, den die DGS in Kooperation mit
mehreren Krankenkassen und der Ma-
nagementgesellschaft IMC Integrative
Managed Care konzipiert hat. Bisher hät-
ten mehr als 10.000 Patienten teilgenom-
men, sagte er. Sie seien früher wieder ar-
beitsfähig und erkrankten seltener er-
neut an Rückenschmerzen. „Kurz- und
mittelfristig bieten multimodale Thera-
pieansätze und integrierte Versorgungs-
verträge durchaus gute Lösungen“, sagte
Längler. Langfristig könne aber nur eine
konkrete Person die effiziente Versor-
gung dieser Patienten sicherstellen – und
das sei der von der DGS seit langem ge-
forderte Facharzt für Schmerzmedizin.
Christoph Fuhr
Eröffnungspressekonferenz, Frankfurt am Main,
2.3.2016
Deutscher Schmerzpreis 2016 verliehen
Der Duisburger Schmerzmediziner Dr. Günther Bittel ist der neue Preisträger des Deut-
schen Schmerzpreises 2016. Der von der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin
(DGS) und der Deutschen Schmerzliga im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativ-
tages verliehene und vom Limburger Unternehmen Mundipharma gestiftete Preis hono-
riert damit Bittels Verdienste für das überregionale Schmerzzentrum Duisburg, das er seit
vielen Jahren leitet. Der Preisträger habe dort nicht nur alle Verfahren der multimodalen
Schmerztherapie etabliert, sondern sich auch aktiv politisch für die Belange der Schmerz-
medizin im deutschen Gesundheitswesen eingesetzt.
Neben seinem kontinuierlichen Engagement für die Weiterbildung in der Schmerzmedi-
zin organisiert Bittel jährlich die Duisburger Schmerztage, ist Mitautor des DGS-Lehr-
buchs „Grundlagen der Schmerztherapie“ sowie Verfasser zahlreicher Fachpublikationen.
Sein besonderes Interesse gilt der Integration naturheilkundlicher Therapieverfahren
und der Berücksichtigung umweltmedizinischer Zusammenhänge. In seiner Dankesrede
betonte Bittel, dass er keinen Grund für ein Nachlassen dieser Bemühungen sehe, son-
dern dass die Dringlichkeit einer adäquaten Versorgung von Schmerzpatienten mit
deren steigender Zahl stetig zunehme. „Wir müssen erkennen, dass einiges bei den ge-
sellschaftlichen Rahmenbedingungen, der Frage der Umweltbelastung und der Frage
der sozialen Ausgrenzung von chronisch Kranken sehr falsch läuft.“ Das mit dem Preis
verbundene Preisgeld will der Duisburger Schmerzmediziner in diesem Sinne für den
Wiederaufbau des zerstörten Gesundheits- und Sozialzentrums in Kobane, Nordsyrien,
stiften.
Dr. Andreas Häckel
Verleihung des Deutschen Schmerzpreises 2016, Frankfurt am Main, 4.3.2026
Schmerzmedizin 2016; 32 (3)
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