7 / 52
7 / 52

27. Deutscher Schmerz- und Palliativtag

Patientenversorgung im Mittelpunkt

Zum Deutschen Schmerz- und Palliativtag vom 2. bis 5. März 2016 versammelten sich schmerzmedizinisch

interessierte Ärzte und Vertreter nichtärztlicher Fachgruppen im Congress Center in Frankfurt am Main. In

Vorträgen wurden unter anderem der Status quo der schmerzmedizinischen Versorgung erörtert sowie

neue Konzepte vorgestellt, bei denen der Patient im Mittelpunkt steht.

©© djama / Fotolia.com

Facharzt für Schmerzmedizin könnte

Bedarfsplanung vereinfachen

Die Debatte um die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin beschäf-

tigt die Gesellschaften schon seit Langem. Beim Auftakt des Deutschen

Schmerz- und Palliativtages verwies die Deutschen Gesellschaft für Schmerz-

medizin erneut auf die Bedeutung des Facharztes für die schmerzmedizini-

sche Versorgung.

E

ine bessere Versorgung für Schmerz-

patienten wird gebremst, weil es im-

mer noch zu viele Orthopäden, Anästhe-

sisten, Neurologen, Psychiater und Psy-

chologen gibt, die sich an ihre Pfründe

klammern und die Fachkompetenz für

Schmerz ausschließlich für sich selbst

reklamieren. Deshalb muss es dringend

der Facharzt für Schmerzmedizin geben.

Diese Argumentation ist vielen Vertre-

ter der Publikumspresse durchaus ver-

traut. Kaum bekannt ist ihnen aber, dass

es unter den Schmerz-Fachgesellschaften

extrem unterschiedliche Auffassungen

mit Blick auf diesen Facharzt und seine

geplante Rolle imVersorgungsystem gibt.

Uneinigkeit der Gesellschaften

Bei einer Pressekonferenz zum Auftakt

des Schmerzkongresses inMannheim im

Oktober 2015 hatte sich zumBeispiel der

Präsident der Deutschen Migräne- und

Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Pro-

fessor Andreas Straube vom Klinikum

Großhadern, vor Journalisten unmissver-

ständlich positioniert: Käme dieser „All-

gemeinmediziner des Schmerzes“, dann

hätte das fatale Konsequenzen, warnte

Straube: „Die Interdisziplinarität der

Schmerztherapie, für die wir kämpfen,

wäre dann tot!“

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) und die Patientenorgani-

sation Deutsche Schmerzliga (DSL) hin-

gegen fordern seit Jahren die Einführung

dieses Facharztes. Genau mit diesemWi-

derspruch mussten sich DGS-Vorstands-

mitglieder und DGS-Vertreter auf Nach-

fragen bei einer Pressekonferenz zum

Auftakt des Schmerz- und Palliativtags in

Frankfurt am Main auseinandersetzen.

Schwächt dieser Dissens unter den Fach-

gesellschaften nicht zwangsläufig strate-

gische Handlungsoptionen mit Blick auf

8

Schmerzmedizin 2016; 32 (3)

Medizin aktuell