Fälle, in denen der Notarzt die palliative
Situation erkennt, den Kontakt zum
PKD sucht und eine Ablösung von Not-
arzt zu QPA amKrankenbett stattfindet.
Geregelt ist dieses Vorgehen aber wohl
in den wenigsten PKD.
Wie kann man die Situation verbes-
sern? Die zentrale Rufnummer des
PKD ist in aller Regel auf einem Flyer
vermerkt. Diese Flyer sind jedoch häu-
fig klein und werden in der Krisensitu-
ation möglicherweise im Haushalt
nicht gefunden. Eine Lösung ist hier ei-
nerseits, die Nummer des PKD an ex-
ponierter Stelle mit entsprechender
Größe (DIN A4-Blatt) mit einem Mar-
ker hervorgehoben aufzuhängen. Eine
andere Variante ist, doch zu versuchen,
den Bochumer Kollegen nachzueifern
und einen A4-Hefter, gestaltet in den
Farben des PKD, mit all den notwendi-
gen Informationen an die Patienten
und Angehörigen zu übergeben. Ein
solch großer A4-Hefter ist sicher kaum
mehr angetan, zwischen Zeitungen ent-
sorgt zu werden.
Sich an der Fortbildung von
Notärzten beteiligen
Wir sollten regional den Kontakt zu
den Notärzten und zur Rettungsleit
stelle suchen. Es ist hilfreich, in Fortbil-
dungsveranstaltungen der Notärzte
aufzutreten und die Strukturen der
PKD, aber auch geeignete Handlungs-
optionen bei ausgeprägter Symptoma-
tik, zu vermitteln. Eigene Erfahrungen
zeigen, dass die meisten Kollegen des
Rettungsdienstes sehr motiviert sind,
die für den Patienten beste Therapie-
und Versorgungslösung zu finden.
Die Rettungsleitstelle
einbeziehen
Patienten und Zugehörige wählen die
Nummer der Notdienstzentrale aus un-
terschiedlichen Gründen. Die einen aus
Unkenntnis der Erreichbarkeit des
PKD, die anderen aus Überforderung
der Angehörigen mit der Hoffnung der
Aufnahme des Patienten im Kranken-
haus, und weitere in der Idee, doch
noch ein kuratives Angebot zu finden
(was etwa bei Sturz mit Frakturfolge
auch völlig richtig sein wird). Es steht
der Vorschlag im Raum, mit den Mitar-
beitern der Rettungsleitstelle zu konfe-
rieren und eine Motivationslage dafür
zu schaffen, die Frage nach Einschrei-
bung des Patienten in das Palliativnetz
der Region in die systematische Abfra-
ge, welche dem Notarzteinsatz immer
vorausgeht, einzubeziehen. Beispielhaft
zeigt dies das im
palliativ
netz Münster
praktizierte Vorgehen (
Abb. 1
). Wir
sind nach Gesprächen mit vielen QPA
der Meinung, dass hier nicht selten die
Weichen: „Weg vom Notarzt – hin zum
PKD“ gestellt werden können.
Wenn man das Gespräch mit den Mit-
arbeitern der Rettungsleitstelle und den
regionalen Notärzten gesucht hat und es
ein positives Echo gibt, ist es hilfreich,
eine Kooperationsvereinbarung mit der
Rettungsleitstelle zu schließen. Hier-
durch bekommen die Vereinbarungen
eine Verbindlichkeit, welche zur besse-
ren Umsetzung des Vereinbarten führt.
Eine Mustervereinbarung wird in Kürze
auf der Internetseite unseres Berufsver-
bandes verfügbar sein.
Dr. med. Eberhard A. Lux, Lünen
Abb. 1
: Algorithmus für das rettungsdienstliche Vorgehen bei Palliativpatienten nach dem
palliativ
netz Münster e.V.
A
Hinweise für eine palliative
Situation liegen vor
Im Zweifelsfall immer
Entscheidung für die volle
notfallmedizinische Versorgung
Patient ist instabil
notfallmedizinische Versorgung,
wenn möglich Besprechung
mit Angehörigen/Pflegenden
D
Notfallnummer des
palliativ
netz Münster e.V.
Telefonisches palliativmedizinisches Konsil
Patient ist stabil
Besprechung
mit Patient/Angehörigen/Pflegenden
Keine palliative Situation
Notfallmedizinische Versorgung und
ggf. Transport
B
Ist der Patient
stabil?
Liegt eine
palliative Situation
vor?
C
Erfordert die
Situation eine akute palliative
Versorgung?
E
ambulante oder stationäre
Versorgung?
nein
nein
ja
ja
ambulante Versorgung
Dienst des
palliativ
netz
Münster e.V.
stationäreVersorgung
auf einer Palliativstation
Ggf. Unterstützung bei der
Organisation eines stationären
Versorgungsplatzes durch
Dienst des
palliativ
netz
©© Mod. nach
palliativ
netz Münster e.V.
Schmerzmedizin 2016; 32 (3)
51