Letzte Lebensstunden
Weg vom Notarzt – hin
zum PKD
Immer mehr Menschen versterben in Deutschland in den eigenen
vier Wänden, in einigen Fällen begleitet durch den PKD und QPA.
Doch noch mangelt es bei den Angehörigen und auch bei manchen
Notärzten am Bewusstsein für den richtigen Zeitpunkt zur Einleitung
der Palliativmedizin.
W
ir erinnern uns noch gut, mit
welch großen Ressentiments
die Kostenträger uns in den
ersten Verhandlungen zu einem Pallia-
tivvertrag mit Befürchtungen hinsicht-
lich der Effektivität und der Vermutung
zusätzlicher Kosten gegenüberstanden.
Dies hatte sich bereits nach einem Jahr
und der anstehenden Nachverhandlung
der Vereinbarung gewandelt – offen-
sichtlich hatte man bemerkt, dass die
Zahl der häuslich versterbenden Patien-
ten deutlich gestiegen war, weniger
Patienten am Lebensende ins Kranken-
haus kamen und auch weniger Kran-
kentransporte und Notarzteinsätze
stattgefunden hatten. Die konkreten
Zahlen liegen allerdings bis heute nicht
vor.
Offene Gespräche mit Patienten
und Angehörigen suchen
Die Aufklärung von Patienten (und ih-
ren Angehörigen) zur Prognose der Er-
krankung sollte regelhaft stattfinden.
Mit demAusfüllen und der Unterschrift
des Patienten der Anlage 3 und 3a bei
Einschreibung in die „Vereinbarung“
erklären sich Arzt und Patient mit einer
Behandlung im palliativmedizinischen
Setting einverstanden. Sie loten in der
Folgezeit die Möglichkeiten aus, eine
möglichst hohe Lebensqualität in der
letzten Lebensphase zu erreichen. Die
Zahl derer, die diese Unterschrift des
Patienten oder der Angehörigen in fol-
genden Verträgen abschaffen wollen,
reißt allerdings nicht ab.
Bis heute begegnen uns noch immer
Ärzte mit dem Argument, man könne
Patienten und deren Angehörige mit
diesem Schriftstück nicht konfrontie-
ren, da „die Leute heutzutage wüssten,
was Palliativmedizin heißt“ und ver-
weisen darauf, dass man mit der Auf-
klärung zur Prognose jegliche Hoff-
nung nehme. Aber gerade ein wahrhaf-
tiges Gespräch zwischen Arzt und Pa-
tient und möglichst auch den
Angehörigen kann nach in Einzelfällen
tiefgehender Erschütterung neue Kräf-
te zur Bewältigung dieser letzten und
auch schweren Zeit freisetzen und sei es
die Gewissheit, regelmäßig einen qua-
lifizierten Arzt an seiner Seite zu haben
und gegebenenfalls auch die Möglich-
keit einer palliativen Sedierung nutzen
zu können. Es versteht sich dabei von
selbst, dass diese Probleme nicht im
Erstgespräch zu erörtern sind. Jeder
von uns kennt das Prinzip der prozess-
haften Aufklärung.
Rufnummer des PKD in der
Krisensituation verfügbar halten
Selbst wenn wir davon ausgehen, dass
Patienten und ihre Angehörigen aufge-
klärt sind, ein qualifizierter Palliativarzt
(QPA) in die Versorgung involviert ist,
und die Kontaktdaten des palliativärzt-
lichen Konsiliardienstes (PKD) vermit-
telt wurden, beobachten wir doch immer
wieder, dass Patienten oder die Angehö-
rigen in einer subjektiv empfundenen
Krisensituation den Notarzt rufen.
Erfreulicherweise kennen wir alle die
Unsere Ziele sind:
—
Qualitätsindikatoren in der ambulan-
ten Palliativmedizin zu definieren
und weiterzuentwickeln,
—
Betroffene und Angehörige über die
Möglichkeiten einer fachgerechten
palliativmedizinischen Versorgung
zu informieren,
—
die Diskussion über ethische und
rechtliche Fragestellungen am
Lebensende anzustoßen und zu
vertiefen,
—
ein langfristiger Kulturwandel im
Umgang mit Tod und Sterben.
Berufsverband der Palliativmediziner
in Westfalen-Lippe e.V.
Geschäftsstelle:
Sabine Schäfer
Dieckmannstraße 200
48161 Münster
Tel. 02 51 / 5308-9960
E-Mail:
Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. med. Eberhard A. Lux
Klinik für Schmerz- und
Palliativmedizin am
Klinikum St.-Marien-Hospital Lünen
Tel. 0 23 06 / 77-2920
Fax. 0 23 06 / 77-2921
E-Mail:
www.bv-palliativmediziner.de50
Schmerzmedizin 2016; 32 (3)
Berufsverband der
Palliativmediziner
in Westfalen-Lippe e.V.