44 / 52
44 / 52

Letzte Lebensstunden

Weg vom Notarzt – hin

zum PKD

Immer mehr Menschen versterben in Deutschland in den eigenen

vier Wänden, in einigen Fällen begleitet durch den PKD und QPA.

Doch noch mangelt es bei den Angehörigen und auch bei manchen

Notärzten am Bewusstsein für den richtigen Zeitpunkt zur Einleitung

der Palliativmedizin.

W

ir erinnern uns noch gut, mit

welch großen Ressentiments

die Kostenträger uns in den

ersten Verhandlungen zu einem Pallia-

tivvertrag mit Befürchtungen hinsicht-

lich der Effektivität und der Vermutung

zusätzlicher Kosten gegenüberstanden.

Dies hatte sich bereits nach einem Jahr

und der anstehenden Nachverhandlung

der Vereinbarung gewandelt – offen-

sichtlich hatte man bemerkt, dass die

Zahl der häuslich versterbenden Patien-

ten deutlich gestiegen war, weniger

Patienten am Lebensende ins Kranken-

haus kamen und auch weniger Kran-

kentransporte und Notarzteinsätze

stattgefunden hatten. Die konkreten

Zahlen liegen allerdings bis heute nicht

vor.

Offene Gespräche mit Patienten

und Angehörigen suchen

Die Aufklärung von Patienten (und ih-

ren Angehörigen) zur Prognose der Er-

krankung sollte regelhaft stattfinden.

Mit demAusfüllen und der Unterschrift

des Patienten der Anlage 3 und 3a bei

Einschreibung in die „Vereinbarung“

erklären sich Arzt und Patient mit einer

Behandlung im palliativmedizinischen

Setting einverstanden. Sie loten in der

Folgezeit die Möglichkeiten aus, eine

möglichst hohe Lebensqualität in der

letzten Lebensphase zu erreichen. Die

Zahl derer, die diese Unterschrift des

Patienten oder der Angehörigen in fol-

genden Verträgen abschaffen wollen,

reißt allerdings nicht ab.

Bis heute begegnen uns noch immer

Ärzte mit dem Argument, man könne

Patienten und deren Angehörige mit

diesem Schriftstück nicht konfrontie-

ren, da „die Leute heutzutage wüssten,

was Palliativmedizin heißt“ und ver-

weisen darauf, dass man mit der Auf-

klärung zur Prognose jegliche Hoff-

nung nehme. Aber gerade ein wahrhaf-

tiges Gespräch zwischen Arzt und Pa-

tient und möglichst auch den

Angehörigen kann nach in Einzelfällen

tiefgehender Erschütterung neue Kräf-

te zur Bewältigung dieser letzten und

auch schweren Zeit freisetzen und sei es

die Gewissheit, regelmäßig einen qua-

lifizierten Arzt an seiner Seite zu haben

und gegebenenfalls auch die Möglich-

keit einer palliativen Sedierung nutzen

zu können. Es versteht sich dabei von

selbst, dass diese Probleme nicht im

Erstgespräch zu erörtern sind. Jeder

von uns kennt das Prinzip der prozess-

haften Aufklärung.

Rufnummer des PKD in der

Krisensituation verfügbar halten

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass

Patienten und ihre Angehörigen aufge-

klärt sind, ein qualifizierter Palliativarzt

(QPA) in die Versorgung involviert ist,

und die Kontaktdaten des palliativärzt-

lichen Konsiliardienstes (PKD) vermit-

telt wurden, beobachten wir doch immer

wieder, dass Patienten oder die Angehö-

rigen in einer subjektiv empfundenen

Krisensituation den Notarzt rufen.

Erfreulicherweise kennen wir alle die

Unsere Ziele sind:

Qualitätsindikatoren in der ambulan-

ten Palliativmedizin zu definieren

und weiterzuentwickeln,

Betroffene und Angehörige über die

Möglichkeiten einer fachgerechten

palliativmedizinischen Versorgung

zu informieren,

die Diskussion über ethische und

rechtliche Fragestellungen am

Lebensende anzustoßen und zu

vertiefen,

ein langfristiger Kulturwandel im

Umgang mit Tod und Sterben.

Berufsverband der Palliativmediziner

in Westfalen-Lippe e.V.

Geschäftsstelle:

Sabine Schäfer

Dieckmannstraße 200

48161 Münster

Tel. 02 51 / 5308-9960

E-Mail:

Öffentlichkeitsarbeit:

Dr. med. Eberhard A. Lux

Klinik für Schmerz- und

Palliativmedizin am

Klinikum St.-Marien-Hospital Lünen

Tel. 0 23 06 / 77-2920

Fax. 0 23 06 / 77-2921

E-Mail:

www.bv-palliativmediziner.de

50

Schmerzmedizin 2016; 32 (3)

Berufsverband der

Palliativmediziner

in Westfalen-Lippe e.V.