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nicht nehmen lassen, das ihnen Men­

schenmögliche zu unternehmen um Be­

troffenen zu helfen [6].

Facharzt für Schmerzmedizin –

(vorübergehend?) ausgebremst

Einen (zumindest auf absehbare Zeit

mangels breiter Unterstützung und viel­

fältiger – unbegründeter! – Ängste) eher

unwahrscheinlichen – aus Sicht der

Deutschen Gesellschaft für Schmerzme­

dizin (DGS) und der Deutschen

Schmerzliga (DSL) für einen echten

Durchbruch im Bereich Schmerzmedi­

zin aber unverzichtbaren – Meilenstein

würde der Facharzt für Schmerzmedizin

darstellen. Weder um im Rahmen der

üblichen Verteilungskämpfe die Budgets

anderer Fachdisziplinen zu beschneiden

oder ihre strategische Bedeutung zu

schmälern, noch um die grundsätzliche

Bedeutung einer interdisziplinären

schmerzmedizinischen Versorgung oder

die spezifische Kompetenz der verschie­

denen Fachdisziplinen in Frage zu stellen,

sondern einzig und allein, um den be­

sonderen Herausforderungen der medi­

zinischen Fürsorge der von einer chroni­

schen Schmerzkrankheit betroffenen

Menschen gerecht werden zu können.

Angesichts kontinuierlich steigender

Fallzahlen, Problemen bei Nachfolge­

regelungen und einheitlicher Aufwands­

entschädigung, Gewährleistung einer

flächendeckenden Versorgung, berufli­

cher Perspektiven für angehende Jung­

mediziner und vielem anderen mehr, er­

scheint ein Facharzt für Schmerzmedi­

zin heute weniger denn je als unnötiger

Luxus sondern vielmehr als dringend

notwendige Grundausstattung für eine

adäquate medizinische Versorgung in

Deutschland. Dieser Forderung von DGS

und DSL mit stetem Beharrungsvermö­

gen und dem gebetsmühlenartigen Ver­

weis auf die Kompetenz der bestehenden

Strukturen und Angebote zu begegnen,

erscheint nicht nur wenig erfolgverspre­

chend, sondern angesichts der beschrie­

benen Entwicklungen einfach auch ir­

gendwie weltfremd beziehungsweise ver­

sorgungs- und patientenfern.

Versorgungsforschung – Stein der

Weisen?

Studien zur Effektivität unterschied­

lichster Behandlungsmaßnahmen im

klinischen Alltag sollten aus Sicht des

Sachverständigenrates zur Begutach­

tung der Entwicklung im Gesundheits­

wesen sehr viel intensiver unter Bezug­

nahme auf Routinedaten der Alltagsver­

sorgung durchgeführt werden. Dabei

könnte die Wertigkeit solcher Verfahren

durch geeignete Randomisierungsver­

fahren zur Elimination von Störgrößen

(Confounder) sowie die nicht interven­

tionelle (beobachtende) Natur der Da­

tenerhebung und die Fokussierung auf

„patient-relevant (reported) outcomes“

(PRO) im Vergleich zu konventionellen

klinischen Prüfungen mit dem Ziel der

Arzneimittelzulassung nicht nur deut­

lich verbessert werden, sondern wären

solche „Registerstudien“ auch in der

Lage, einen wichtigen Beitrag zu einer

patientennahen Versorgungsforschung

zu leisten.

Mit dem PraxisRegister Schmerz be­

schreiten DGS und DSL schon seit ge­

raumer Zeit diesen Weg und setzen auf

die Nutzung „primärer“ (d.h. direkt von

Menschen mit chronischen Schmerzen

stammenden) Informationen um nicht

nur epidemiologische Fragestellungen

zu klären, sondern auch um Wirksam­

keits- und Verträglichkeitsunterschiede

verschiedenster Arzneistoffe und nicht­

medikamentöser Therapieangebote un­

ter Alltagsbedingungen zu evaluieren

sowie patientenrelevante Unterschiede

zwischen selektivvertraglichen Behand­

lungsangeboten für bestimmte Frage­

stellungen mit der Regelversorgung zu

vergleichen.

Die von DGS und DSL ihren Mitglie­

dern hierfür kostenlos bereitgestellte on­

line-Dokumentationsplattform iDocLi­

ve.de

– über die aktuell bereits Informa­

tionen zu fast 58.000 Patienten mit chro­

nischen Schmerzen dokumentiert

wurden – wird im 2. Quartal 2016 mit

dem Launch der behandlerunabhängi­

gen Patientenplattform „mein-Schmerz.

de“ nochmals umfangreich erweitert.

Dann ermöglicht sie Patienten auch un­

abhängig von ihrenTherapeuten und de­

finierten Befragungszeitpunkten unter

Verwendung validierter Instrumente die

Besonderheiten ihrer individuellen

Schmerzerkrankung und deren Anspre­

chen auf die unterschiedlichsten Thera­

piemaßnahmen systematisch zu erfas­

sen. Damit entwickelt sich das PraxisRe­

gister Schmerz – neben den umfang­

reichen gesundheitspolitischen und

fortbildungstechnischen Anstrengun­

gen sowie der intensiven Kooperation

mit der Deutschen Schmerzliga – zu ei­

nem der zentralen Elemente der DGS in

ihrem Bemühen zur Optimierung einer

indikationsspezifischen Versorgungs­

forschung für den Bereich Schmerz. Da­

rüber hinaus ist es auch ein eindrucks­

voller Beleg dafür, dass sich DGS und

DSL mit voller Kraft für eine nachhalti­

ge, flächendeckende und vor allem pati­

entenorientierte Verbesserung der

schmerzmedizinischen Versorgung in

Deutschland einsetzen.

Dafür, dass Sie uns auf diesem Weg

begleiten und sich – trotz bisweilen trü­

ber Aussichten – weder den Spaß an der

Versorgung chronisch schmerzkranker

Menschen, noch Ihr Engagement, im­

mer noch ein wenig besser zu werden,

nehmen lassen, möchten wir Ihnen auf­

richtig danken. Bremser und Bedenken­

träger gibt es gerade auch in der

Schmerzmedizin schon viel zu viele und

angesichts der geschilderten Zahlen

wird es endlich Zeit, im Interesse unse­

rer Patienten ein wenig auf das Gaspedal

zu treten und vom Standstreifen auf die

Überholspur zu wechseln.

Gut zu wissen, dass Sie uns auf diesem

Spurwechsel begleiten!

Ihr

PD Dr. med. Michael Überall

Literatur

[1] Breivik H et al.: Eur J Pain 2006; 10(4): 287–333

[2] Hensler S et al.: Pain Med 2009; 10(8): 1408–

15

[3] Clar C et al.: Epidemiology of chronic non-ma-

lignant pain in Germany. ISBN 978-3-942393-02-7

[4] Häuser W et al.: BMC Public Health 2014; 14:

352

[5] Grobe TG et al.: Barmer GEK Arztreport 2016.

Asgard-Verlagsservice GmbH, Siegburg. ISBN:

978-3-946-19902-1

[6] Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin,

Deutsche Schmerzliga, Berufsverband der Ärzte

und Psychologischen Psychotherapeuten in der

Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland.

Nationales Versorgungsforum Schmerz 2015

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

www.dgschmerzmedizin.de

Schmerzmedizin 2016; 32 (3)

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