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DGS aktuell

Wer steht auf der Bremse?

V

erfolgt man die Nachrichten, so wird

man das Gefühl nicht los in Deutsch­

land geht vieles (um nicht zu sagen alles)

viel zu schnell vor sich und bedarf dring­

lich einer entschleunigenden Interven­

tion durch qualifizierte Experten wie öf­

fentliche Stellen, Behörden, Regierung ja

sogar durch die Bundeskanzlerin höchst

persönlich (oder ihren Regierungsspre­

cher). Es muss also offensichtlich irgend­

wie alles mal wieder mehr oder weniger

gebremst werden, um in einen scheinbar

erwünschten Aggregatzustand zu kom­

men. Und so erleichtern uns Normal­

sterblichen neben Spaßbremsen (wie der

Kanzlerin im Fall Böhmermann) auch

die Medikamentenpreisbremse (von Ge­

sundheitsminister Gröhe für die Einfüh­

rung neuer Arzneimittel), die Mietpreis­

bremse (Gesetz zur Dämpfung des

Mietanstiegs auf angespannten Woh­

nungsmärkten), die Ökostrombremse

(Begrenzung des Ausbaus erneuerbarer

Energien im Rahmen der Energiewende)

und die GOÄ-Bremse (durch die Privaten

Krankenversicherungen) das Leben an so

elementaren Stellen, dass uns imRahmen

der resultierenden Negativbeschleuni­

gung Angst und Bange werden sollte.

Die Suche nach dem Bremser

Angesichts dieser tsunamiartigen Zu­

nahme verschiedenster Entschleuni­

gungsprozesse könnte man sich fragen,

wer denn da bei der Weiterentwicklung

der Schmerzmedizin und der Etablie­

rung einer individualisierten, patienten-

und vor allem zuwendungsorientierten

Medizin schon seit geraumer Zeit auf der

Bremse steht. Wer es wann und als Re­

aktion auf welche offensichtlich als kri­

tisch erachtete Entwicklungsrasanz für

notwendig erachtet hat, gerade in die­

sem Bereich derart vehement auf die

Bremse zu steigen und auf offener Stre­

cke – bei voller Fahrt und ohne ersicht­

liche Not – eine Vollbremsung hinzule­

gen, die als Youtube-Video das Potenzial

zum Blockbuster hätte?

Zahl der Schmerzpatienten steigt

Die kontinuierlich steigenden Zahlen

der von chronischen Schmerzen oder

von einer chronischen Schmerzkrank­

heit geplagten Menschen lassen diese als

Bremser eher ausscheiden. Ein Anstieg

von 17% im Jahr 2006 [1], 23% im Jahr

2009 [2], 25% im Jahr 2010 [3], 29% im

Jahr 2014 [4] auf zuletzt 33% im Jahr

2016 [5] wäre für jeden lösungsorientiert

denkenden Menschen wohl eher ein

Grund aufs Gas zu treten, und im Inter­

esse der Betroffenen und ohne Rücksicht

auf nennenswerte Befindlichkeitsstö­

rungen Dritter nachhaltige Änderungen

der schmerzmedizinischen Versorgung

nicht nur zu planen, sondern auch um­

zusetzen. Denn offensichtlich sind die

gegenwärtigen Strukturen nicht in der

Lage, dieses Problems Herr zu werden.

Zahl der Schmerzexperten liegt

Lichtjahre unter Bedarf

Eine zu hohe Zahl qualifizierter

Schmerztherapeuten scheidet als Hin­

dernis ebenfalls aus. Denn den Millio­

nen Schmerzpatienten stehen mit weit

weniger als 1.000 vollzeitig tätigen und

an der Qualitätssicherungsvereinbarung

„Spezielle Schmerztherapie“ auch teil­

nahmeberechtigten Schmerzexperten in

Deutschland nur eine Handvoll Wage­

mutiger gegenüber, die es sich – trotz of­

fensichtlich auswegloser Situation –

Im Auftrag der

Schmerzfrei

heit

Die wichtigsten Ziele der DGS:

Förderung der Schmerzmedizin in

Forschung und Lehre

Entwicklung von Standards für die

Aus-, Fort- und Weiterbildung in

Schmerzmedizin

Entwicklung von Qualitätsstandards

in der Schmerzmedizin

Weiterbildung auf allen Gebieten der

Schmerzdiagnostik und -therapie

Qualitative und quantitative Verbes-

serung der schmerzmedizinischen

Patientenversorgung

Förderung der palliativmedizini-

schen Versorgung

Aufbau eines nationalen und inter-

nationalen Netzwerkes Schmerz­

medizin

Versorgungsforschung im Bereich

der Schmerzmedizin

Gründung regionaler Schmerz­

zentren und Schmerzkonferenzen

Wissenschaftliche und fachliche

Beratung und Unterstützung von

Ärzten, Psychologen und allen

Berufsgruppen in der Patienten­

versorgung

Wissenschaftliche und fachliche

Beratung von öffentlich-rechtlichen

Körperschaften, Kostenträgern,

Politik und Öffentlichkeit

Flächendeckende schmerzmedizini-

sche Versorgung durch Etablierung

eines Facharztes für Schmerzmedizin

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

Geschäftsstelle:

Heike Ahrendt

Adenauerallee 18, 61440 Oberursel

Telefon: 06171 286061, Fax: -286069

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Vorstand:

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„Einen echten

Durchbruch würde

der Facharzt für

Schmerzmedizin

darstellen.“

PD Dr. med. Michael Überall

Vizepräsident der Deutschen

Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

DGS

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

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Schmerzmedizin 2016; 32 (3)