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dabei ist, dann retten oder töten? Dass „das Volk“

die Wiedereinführung der Euthanasie mit großer

Mehrheit wünscht, zeigen repräsentative Umfragen

wie die oben genannte vom August 2015 [6].

Sozialrichter Carsten Schütz bringt die Diskussion

im Für und Wider über eine Beihilfe zum Suizid auf

den Punkt, die Gesellschaft müsse sich „durch ein

Verbot des organisierten Suizids schützend vor die

potenziellen ‚Opfer’ stellen“ (...) „Damit nicht auch

nur ein einziger lebenswilliger Mensch den Tod

wählt, um seine Umwelt vor Belastungen zu bewah-

ren, sind die Lebensmüden in der Pflicht auch die

schweren Seiten des Lebens zu ertragen“ [36].

Robert Spaemann denkt noch einen Schritt weiter:

„Wer Sterbehilfe erlaubt, macht über kurz oder lang

den Selbstmord pflegebedürftiger Menschen zur

Pflicht“ [37]. Und soll Menschen geholfen werden, die

nicht mehr in der Lage sind sich selbst zu töten?

Unsere Daten stützen dieThese, dass Palliativver-

sorgung gelebte Suizidprävention ist. Die Ergebnis-

se dieser Umfrage sind ein klares Statement für den

weiteren Ausbau palliativmedizinischer Strukturen.

„Umsorgen oder Entsorgen? Ich mache mir weni-

ger Sorgen um die Handvoll Menschen, die sterben

möchten und denen ich nicht in gewünschter Wei-

se helfen kann oder will, ich mache mir viel mehr

Sorgen um die große Anzahl Menschen, die leben

wollen, aber sterben müssen und denen ich nicht

helfen kann, weil wir uns nie kennenlernen werden.

Über Sterbehilfe zu sprechen ohne jedemMenschen

wirksame Palliativversorgung anbieten zu können,

ist in meinen Augen zynisch.“ [38]

Fünf Kernaussagen

1.

Beihilfe zur Selbsttötung und Tötung auf Verlan-

gen bei Palliativpatienten sind nicht aus Gründen

unzureichender Symptomlinderung notwendig.

2.

Die Umfrage zeigt, dass durch SAPV-Teams ver-

sorgte Sterbende in dieser Struktur- und Prozess­

qualität eine effektive Suizidprävention erfahren.

3.

Das Wissen um die Möglichkeiten hospizlich-pal-

liativer Versorgung ist nicht ausreichend verbreitet.

4.

Würde eine Beihilfe zur Selbsttötung organisiert

geregelt, sollte auch über eine Regelung für Tö-

tung auf Verlangen nachgedacht werden.

5.

Lebensverkürzung darf niemals angeboten wer-

den ohne alternativ eine wirksame Palliativver-

sorgung anbieten zu können.

Literatur

1.

Ariès P. Die Geschichte des Todes. München und Wien:

Hanser 1980 (11. Auflage 2005), dtv, München 1999

2.

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wissenschaft: 1806

3.

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lieferung von ca. 400 v.Chr.

https://de.wikipedia.org/wiki/

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4.

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https://de.wikipedia.

org/wiki/Genfer_Deklaration_des_Weltärztebundes

5.

Hach M Hrsg., Co-Autor Sitte T, Fachverband SAPV Hes-

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buch. Mabuse Verlag, Frankfurt 2015

6.

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http://www.palliativstiftung.de/fi-

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7.

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8. Geremek A. Wachkoma. Medizinische, rechtliche und

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9.

Bausewein C, Roller S, Voltz R, Hrsg. Leitfaden Palliativ-

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10. Jaspers B. Ethische Entscheidungen am Lebensende bei

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tersuchung anhand von Daten aus der Kerndokumentati-

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11. Müller-Busch HC. Euthanasie bei unerträglichem Leid?

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedi-

zin zum Thema Sterbehilfe im Jahre 2002. Zf Palliativmed,

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12. Schildmann J, Hoetzel J, Mueller-Busch C, Vollmann J.

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13. Thöns M, Holtappels P, Wagner M, Lux EA. 2014. Assistier-

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http://palliativnetz-witten.de/websitebaker/media/AS.

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14. Sitte T. Was kann Palliativmedizin leisten? Analysen und

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15. DGHO 2015.

https://www.dgho.de/informationen/stel-

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16. Schildmann J, Vollmann J. Ärztliche Handlungspraxis am

Lebensende: Empirische Daten, ethische Analysen.

Frankfurter Forum 2015; 11:22–9

17. Kassenärztliche Bundesvereinigung.

http://www.kbv.de/

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18. Statista. Anzahl der Sterbefälle durch Suizid in Deutsch-

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http://de.statista.com/statistik/daten/studie/585/umfra-

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19. Bock C. Podiumsdiskussion „Letzte Hilfe“ von Right to

Die Europe“ vom 30.06.2026 auf

https://www.youtube

.

com/watch?v=7jeI5x60Eso&feature

=youtu.be

20. Humanistischer Verband Deutschland. Pressemitteilung

zur Podiumsdiskussion „Letzte Hilfe! Ärzte aus dem In-

und Ausland diskutieren über Suizidhilfe“ vom

20.06.2015.

http://hpd.de/artikel/11883

21. Tolmein O. Redebeitrag in: Suizidbeihilfe, Palliativ- und

Hospizversorgung. Dokumentation der fraktionsoffenen

Sitzung der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

vom 24.09.2025

22. Graefe D. Statement in der Podiumsdiskussion vom

22.04.2026 in Hamburg-Altona „In Würde leben, in Wür-

de sterben?“

23. Gröhe H, Schneider N, Finger E. Und wenn ich nicht mehr

leben will? Sterbehilfe in Deutschland. Aßlar: Adeo-Ver-

lag 2015

32

Schmerzmedizin 2016; 32 (3)

Original

Lebensverkürzende Maßnahmen