Beihilfe zur Selbsttötung von Patienten konfrontiert
worden. Dies steht im klarem Gegensatz zu einer Er
hebung der Deutschen Gesellschaft für Hämatoon
kologie, in der die Bitte um Hilfe zum Suizid der be
handelten onkologischen Patienten für die Onkolo
gen ein imBerufsleben sehr seltenes Ereignis war [15].
Aber insgesamt gaben nur acht der 42 ant
wortenden Palliativmediziner (19%) an, dass in
den letzten zwei Jahren Patienten durch Lebens
verkürzung verstorben wären. Meist war der
Suizid überraschend und alle von ihnen gaben an,
dass keiner ihrer Patienten durch lebensver
kürzende Maßnahmen verstarb, weil eine Linde
rung belastender körperlicher Symptome anders
nicht möglich gewesen wäre.
Tab. 9
zeigt eine
detaillierte Auarbeitung der Suizide.
Betrachten wir abschließend die Einstellung zu
Fragen der Beihilfe zur Selbsttötung: In einer Um
frage unter 2.003 Ärzten gab es 25% Befürworter
für ein berufsrechtliches Verbot des ärztlich assis
tierten Suizides, bei den hier befragten Palliativ
medizinern waren es 56,1% [16]! Zudem votierten
82,1% für ein strafrechtliches Verbot gewerbsmäßi
ger und/oder organisierter Suizidbeihilfe.
Diskussion
Zunächst fällt die mit 85,7% hohe Rücklaufquote
bei den Antworten auf. Diese konnte durch eine
gute Vernetzung und ein zeitaufwändiges Nachfra
gen (zunächst per E-Mail, dann per Telefon) er
reicht werden. Ziel ist es nach dieser Pilotumfrage,
die auf wesentliche Kernfragen kondensierte Befra
gung auf alle leitenden Palliativmediziner der rund
300 deutschen PCTs mit eigenen Betriebsstätten
nummern auszuweiten [17]. Zielführend für die
notwendigen Entscheidungen wäre auch eine Voll
erhebung unter allen deutschen Ärzten.
Der Anteil der Palliativpatienten, bei denen der
Wunsch nach Lebensverkürzung geäußert wurde,
entspricht imWesentlichen der Literatur (12–25%)
[10]. Dabei ist die Suizidrate von Palliativpatienten
in der SAPV im Vergleich mit jener der Gesamt
bevölkerung auffällig niedriger [18]. Der Anteil der
Suizide bei SAPV-Patienten mit hoher Symptomlast
beträgt nur ein Zwölftel des bundesweiten Durch
schnittes aus dem Jahre 2013, beziehungsweise im
vorliegenden Patientengut weniger als 0,1% der
SAPV-Patienten. Suizid begingen in Relation zu den
Patienten, die zuvor eine Bitte um Lebensverkür
zung äußerten nur 1,2% dieser Patientenzahl (17
versus 1.452 Patienten). Die Gründe sind im Einzel
nen in
Tab. 9
aufgeführt, mangelnde Linderung
körperlichen Leidens (z. B. von Schmerzen, Angst,
Atemnot, Wunden) war nicht darunter.
Dass persönliche Einstellungen der Behandler
handlungsentscheidend sein könnten, zeigen Aus
sagen wie die des Onkologen Carlo Bock, Vorsit
zender der Nationalkommission zur Bewertung
und Überwachung des Euthanasiegesetzes in Lu
xemburg, „die Qualität des Todes ist anders bei ei
ner aktiven Sterbehilfe als wenn man noch ein paar
Tage dahinsiechen muss“ [19]. Und weiter, dass ein
Tod in zehn Minuten ein anderer sei als der über
viele Tage und Wochen. Daher sei er von der Not
wendigkeit des ärztlich assistierten Suizids über
zeugt. „Als Präsident unserer staatlichen Kontroll
kommission kann ich Ihnen sagen, dass dies ein
guter Tod ist. Es ist ein großer Unterschied, ob
man sediert in Pampers liegt oder bei vollem
Bewusstsein und in Würde stirbt“ [20]. Eine prin
zipiell bei Bedarf an jedem Ort mögliche palliati
ve Sedierung lehnt Bock, ebenso wie ein reines
„Sterben zulassen“ als zu langwierig ab.
Tab. 2: Antworten zu Wünschen nach Lebensverkürzung
Frage 25: Bei wie vielen Ihrer Patienten wurde Beihilfe zur Selbsttötung vom
Patienten selber nachgefragt pro Jahr?
2013
Anzahl
Mittelwert STABWN Verstorben
gesamt
Anteil
Erwachsene
325
13,0
24,9
8.001
4,06%
Kinder
0
0,0
0,0
208
0,00%
Gesamtergebnis 325
8,6
21,1
8.209
3,96%
2014
Anzahl
Mittelwert STABWN Verstorben
gesamt
Anteil
Erwachsene
342
13,2
25,7
9.344
3,66%
Kinder
2
0,1
0,3
219
0,91%
Gesamtergebnis 344
8,6
21,6
9.563
3,60%
(n= 38 in 2013; n= 40 in 2014)
Tab. 3: Antworten zu Wünschen nach Lebensverkürzung
Frage 27: Bei wie vielen Ihrer Patienten wurde Beihilfe zur Selbsttötung von Angehö-
rigen nachgefragt pro Jahr?
2013
Anzahl
Mittelwert STABWN Verstorben
gesamt
Anteil
Erwachsene
34
1,4
2,5
7.831
0,43%
Kinder
0
0,0
0,0
208
0,00%
Gesamtergebnis 34
0,9
2,1
8.039
0,42%
2014
Anzahl
Mittelwert
STABWN Verstorben
gesamt
Anteil
Erwachsene
39
1,6
2,4
9.154
0,43%
Kinder
1
0,1
0,3
219
0,46%
Gesamtergebnis 40
1,0
2,1
9.373
0,43%
(n = 37 in 2013; n= 39 in 2014)
28
Schmerzmedizin 2016; 32 (3)
Original
Lebensverkürzende Maßnahmen