Material und Methodik
In der Hospiz- und Palliativerhebung der Jahre
2005 und 2006 wurde bei rund einem Achtel der
auf Palliativstationen und bei rund einem Viertel
der in Hospizen erfassten Patienten ein Wunsch
nach einem baldigen Tod dokumentiert, was sich
auch in anderen Untersuchungen ähnlich zeigt [10].
Unklar blieb, ob dies ein ernsthafter, wiederholt
vorgetragener Wunsch, insbesondere einer nach le-
bensverkürzenden Maßnahmen war. Weiter ist zu
beachten, dass diese Daten nicht in der Häuslich-
keit erhoben worden sind, sondern bei Palliativpa-
tienten, die wegen Problemen in Hospize oder Pal-
liativstationen eingewiesen werden mussten. Daten
zum Sterbewunsch, Suizid und insbesondere zu
medizinisch begründbaren Indikationen für den
Wunsch nach Lebensverkürzung bei Patienten in
der SAPV sind bis dato nicht systematisch unter-
sucht worden.
Neben einer Reihe von Umfragen unter der Be-
völkerung gab es auch Umfragen unter Mitgliedern
der DGP (Deutsche Gesellschaft für Palliativmedi-
zin) [11, 12, 13]. Auch existiert eine orientierende
Erhebung unter 21 Palliativmedizinern, die mit ih-
ren Palliative Care Teams (PCTs) über 12.000 Men-
schen jährlich bis zum Tod begleiteten [14]. Hier
unter war kein einziger Patient, bei dem wegen
körperlichen Leidens aus Sicht der Palliativmedizi-
ner Lebensverkürzung notwendig geworden wäre.
Ziel der aktuellen Pilot-Umfrage vom Mai 2015
war eine Vollerhebung unter allen saarländischen
und hessischen PCTs für Erwachsene und allen
deutschen PCTs für Kinder, Jugendliche und junge
Erwachsene (PCT-KJ) mit der Befragung des ver-
antwortlichen Arztes.
Hauptfragestellung
Aussagen zu folgender These sollten mit dieser Un-
tersuchung gewonnen werden: Selbst bei schwers-
tem Leidensdruck sind zur Leidenslinderung oder
Symptomkontrolle in der letzten Lebensphase bei
den Patienten in der SAPV die Möglichkeiten der
Palliativversorgung ausreichend. Die palliative Se-
dierung kann als Methode der Wahl eingesetzt
werden, die indiziert ist, wenn andere Maßnahmen
der Symptomkontrolle versagen oder nicht er-
wünscht sind.
Die Befragung war mit 79 Fragen insgesamt we-
sentlich umfänglicher. Hier können nur Auszüge
gezeigt werden (
Tab. 2
bis
Tab. 8
). Die Fragen un-
tergliederten sich in Teamstruktur, Einstellungen
zum Thema, Verstorbene, Suizidassistenz, Tötung
auf Verlangen, straf- und standesrechtlichen Rah-
menbedingungen und palliative Sedierung.
Befragt wurden die leitenden Palliativmediziner
der 24 PCTs für Erwachsene in Hessen, fünf PCTs
für Erwachsene im Saarland, 20 PCTs für Kinder,
Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland
(n = 49). Nach der Beantwortung wurde bei allen
Suiziden und bei Unklarheiten persönlich nachge-
fragt (
Tab. 9
).
Ergebnisse
Rücklauf der Befragung
Der Rücklauf lag bei 85,7% (42 von 49 Teams,
Abb. 2
). Der Wunsch nach Lebensverkürzung
schwand bei allen Gruppen im Verlauf der Versor-
gung gleichermaßen (
Tab. 6
und
Tab. 8
).
24 der 27 befragten Palliativmediziner aus Erwach-
senen-PCT und nur einer von 15 aus einem Kinder-
PCT waren 2013 und 2014 mit dem Wunsch nach-
FTB in CH
alle Suizide ohne FTB in CH
Suizide + FTB in CH
Vergleich D Vergleich D (rechte Ordinate)
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
800
600
400
200
0
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0
1998
CH
D
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
30
25
20
15
10
5
0
Befragt
Beantwortet
PCT Hessen
24
23
5
4
20
15
PCT Saarland
PCT KJ
Abb. 1
: Suizide und Freitodbegleitungen in der Schweiz im Vergleich zu
Suiziden in Deutschland. Entwicklung 1998 bis 2013, Bevölkerungszahl 2013:
CH: 8,08 Millionen, D: 80,6 Millionen.
Abb. 2
: Befragte Palliativmediziner (PCT/PCT-KJ) und Rücklauf.
©© Sitte, Stellungnahme der Deutschen PalliativStiftung zum Gesetz zur
Sterbehilfe, Sept. 2015
Schmerzmedizin 2016; 32 (3)
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