22 / 52
22 / 52

Material und Methodik

In der Hospiz- und Palliativerhebung der Jahre

2005 und 2006 wurde bei rund einem Achtel der

auf Palliativstationen und bei rund einem Viertel

der in Hospizen erfassten Patienten ein Wunsch

nach einem baldigen Tod dokumentiert, was sich

auch in anderen Untersuchungen ähnlich zeigt [10].

Unklar blieb, ob dies ein ernsthafter, wiederholt

vorgetragener Wunsch, insbesondere einer nach le-

bensverkürzenden Maßnahmen war. Weiter ist zu

beachten, dass diese Daten nicht in der Häuslich-

keit erhoben worden sind, sondern bei Palliativpa-

tienten, die wegen Problemen in Hospize oder Pal-

liativstationen eingewiesen werden mussten. Daten

zum Sterbewunsch, Suizid und insbesondere zu

medizinisch begründbaren Indikationen für den

Wunsch nach Lebensverkürzung bei Patienten in

der SAPV sind bis dato nicht systematisch unter-

sucht worden.

Neben einer Reihe von Umfragen unter der Be-

völkerung gab es auch Umfragen unter Mitgliedern

der DGP (Deutsche Gesellschaft für Palliativmedi-

zin) [11, 12, 13]. Auch existiert eine orientierende

Erhebung unter 21 Palliativmedizinern, die mit ih-

ren Palliative Care Teams (PCTs) über 12.000 Men-

schen jährlich bis zum Tod begleiteten [14]. Hier­

unter war kein einziger Patient, bei dem wegen

körperlichen Leidens aus Sicht der Palliativmedizi-

ner Lebensverkürzung notwendig geworden wäre.

Ziel der aktuellen Pilot-Umfrage vom Mai 2015

war eine Vollerhebung unter allen saarländischen

und hessischen PCTs für Erwachsene und allen

deutschen PCTs für Kinder, Jugendliche und junge

Erwachsene (PCT-KJ) mit der Befragung des ver-

antwortlichen Arztes.

Hauptfragestellung

Aussagen zu folgender These sollten mit dieser Un-

tersuchung gewonnen werden: Selbst bei schwers-

tem Leidensdruck sind zur Leidenslinderung oder

Symptomkontrolle in der letzten Lebensphase bei

den Patienten in der SAPV die Möglichkeiten der

Palliativversorgung ausreichend. Die palliative Se-

dierung kann als Methode der Wahl eingesetzt

werden, die indiziert ist, wenn andere Maßnahmen

der Symptomkontrolle versagen oder nicht er-

wünscht sind.

Die Befragung war mit 79 Fragen insgesamt we-

sentlich umfänglicher. Hier können nur Auszüge

gezeigt werden (

Tab. 2

bis

Tab. 8

). Die Fragen un-

tergliederten sich in Teamstruktur, Einstellungen

zum Thema, Verstorbene, Suizidassistenz, Tötung

auf Verlangen, straf- und standesrechtlichen Rah-

menbedingungen und palliative Sedierung.

Befragt wurden die leitenden Palliativmediziner

der 24 PCTs für Erwachsene in Hessen, fünf PCTs

für Erwachsene im Saarland, 20 PCTs für Kinder,

Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland

(n = 49). Nach der Beantwortung wurde bei allen

Suiziden und bei Unklarheiten persönlich nachge-

fragt (

Tab. 9

).

Ergebnisse

Rücklauf der Befragung

Der Rücklauf lag bei 85,7% (42 von 49 Teams,

Abb. 2

). Der Wunsch nach Lebensverkürzung

schwand bei allen Gruppen im Verlauf der Versor-

gung gleichermaßen (

Tab. 6

und

Tab. 8

).

24 der 27 befragten Palliativmediziner aus Erwach-

senen-PCT und nur einer von 15 aus einem Kinder-

PCT waren 2013 und 2014 mit dem Wunsch nach-

FTB in CH

alle Suizide ohne FTB in CH

Suizide + FTB in CH

Vergleich D Vergleich D (rechte Ordinate)

1.800

1.600

1.400

1.200

1.000

800

600

400

200

0

18.000

16.000

14.000

12.000

10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

0

1998

CH

D

1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

30

25

20

15

10

5

0

Befragt

Beantwortet

PCT Hessen

24

23

5

4

20

15

PCT Saarland

PCT KJ

Abb. 1

: Suizide und Freitodbegleitungen in der Schweiz im Vergleich zu

Suiziden in Deutschland. Entwicklung 1998 bis 2013, Bevölkerungszahl 2013:

CH: 8,08 Millionen, D: 80,6 Millionen.

Abb. 2

: Befragte Palliativmediziner (PCT/PCT-KJ) und Rücklauf.

©© Sitte, Stellungnahme der Deutschen PalliativStiftung zum Gesetz zur

Sterbehilfe, Sept. 2015

Schmerzmedizin 2016; 32 (3)

27