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Zerstäubtes Methadon: effektive

Schmerzkontrolle am Lebensende

Methadon, das auf der Wangenschleimhaut zerstäubt wird, bietet eine

effektive und sichere Alternative zur oralen Aufnahme, wenn Patienten in

den letzten Lebenstagen nicht mehr schlucken können.

M

ethadon gilt als Alternative, wenn

konventionelle Opioide nicht mehr

vertragen werden oder der Patient nicht

mehr in der Lage ist zu schlucken. Mau-

reen Allen von der kanadischen Dalhou-

sie University und Kollegen haben jetzt

dieWirksamkeit und Handhabung einer

auf die Mundschleimhaut zerstäubten

Methadonlösung untersucht.

Wegen unzureichender Schmerzkon-

trolle oder Schwierigkeiten mit zuvor

verabreichten Opioiden wurden die Stu-

dienteilnehmer während ihrer letzten

Lebenstage auf Methadon umgestellt.

Die Daten aus dem Palliativpflegepro-

gramm zu den verschiedenen transmu-

kosalen Darreichungsformen wurden

retrospektiv miteinander verglichen.

Nach dem Tod der Patienten beantwor-

teten Familienangehörige und Pflegeper-

sonal Fragen zur Schmerzkontrolle und

Handhabung der Methadonlösung, die

sublingual, rektal oder über die Mund-

schleimhaut zerstäubt zugeführt wurde.

Alle 30 Studienteilnehmer behielten

die Methadonmedikation bis zu ihrem

Tod bei. Bevorzugt erfolgte die Applika-

tion durch Zerstäubung auf der Mund-

schleimhaut (73%), 20% erhielten das

Methadon sublingual. Einer der Patien-

ten wechselte wegen des bitteren Ge-

schmacks zur rektalen, ein anderer auf

Wunsch der Familie zur sublingualen

Darreichungsform. Die durchschnittli-

che Dosis lag bei 37,5 mg/d über eine

Dauer von vier Tagen im Median (1–12

Tage). Keiner der Patienten benötigte

mehr als 1,5 ml pro Dosierung.

Alle befragten Angehörigen gaben an,

die auf derWangenschleimhaut zerstäub-

te Methadonlösung habe die Schmerzen

effektiv kontrolliert und sei leicht zu ver-

abreichen gewesen. Die leichte Handhab-

barkeit der zerstäubten Lösung wurde

von 93% des Pflegepersonals bestätigt,

der sublingualen Darreichungsform von

87% und der rektalen von 60%. Mit der

bukkalen Schmerzkontrolle waren 73%,

der sublingualen 81% und der rektalen

40% der Pflegenden zufrieden.

Fazit:

Die Ergebnisse zeigten, dass der

Wechsel von oralem Methadon auf eine

transmukosale Applikation weiterhin

eine sichere und effektive Schmerzkont-

rolle gewährleistet. Die Zerstäubung von

Methadon auf die Mundschleimhaut

könne eine Alternative zur sublingualen

oder rektalen Applikation darstellen.

Dr. Christine Starostzik

Allen MA et al. Effectiveness of atomized metha-

done on the buccal mucosa in the last days of

life: An Innovative delivery route when patients

can no longer swallow. J Palliat Care Med 2016;

6:2

24

Schmerzmedizin 2016; 32 (3)

Literatur kompakt



Kognitive Verhaltenstherapie hilft Kindern mit

Migräne

Die kognitive Verhaltenstherapie scheint ein guter Zugang für Kinder und

Heranwachsende mit Migräne zu sein, ihre Kopfschmerztage deutlich zu

reduzieren. Unterstützend wirkt das Antidepressivum Amitriptylin. Sowohl

der Akut- als auch der Langzeiteffekt dieser Kombination sind überzeugend.

R

und 2% aller Heranwachsenden lei-

den unter chronischer Migräne mit

mindestens 15 Kopfschmerztagen pro

Monat. Ob sich eine deutliche Reduktion

der Kopfschmerztage durch die Behand-

lung mit einer kognitiven Verhaltensthe-

rapie (CBT) plus Amitriptylin (A) errei-

chen lässt, sollte in einer Studie unter-

sucht werden. Darin wurde monozent-

risch die Effektivität einer Intervention in

Form einer kognitiven Verhaltensthera-

pie plus Amitriptylin mit einer Kontroll-

therapie aus Kopfschmerz-Aufklärung

(HE) und Amitriptylin verglichen.

Die insgesamt 135 Kinder und Jugend-

lichen im Alter von 10 bis 17 Jahren do-

kumentierten zunächst die Schwere ihrer

Erkrankung in einem Kopfschmerztage-

buch über einen Monat und wurden

dann randomisiert einer Behandlung

mit CBT + A oder HE + A zugewiesen.

Dabei erhielten die Patienten über acht

Wochen einstündige Behandlungssit-

zungen und anschließend zweimal mo-

natlich „Booster“-Sitzungen. Die Aufdo-

sierung von Amitriptyllin erfolgte inner-

halb von acht Wochen mit der Zieldosie-

rung 1 mg/kg/d. Nach 20Wochen wurde

der akuteTherapieerfolg und nach einem

Jahr der Langzeiteffekt überprüft.

Nach 20 Wochen verzeichneten 47%

der Patienten unter CBT + A vier oder

weniger Kopfschmerztage proMonat im

Vergleich zu 20% der Patienten unter der

HE + A (p=0,0011). Im Follow-up nach

zwölf Monaten mit noch 124 teilneh-

menden Patienten gaben 72% der Inter-

ventionsgruppe immer noch weniger als

4 Kopfschmerztage pro Monat im Ver-

gleich zu 52% der Kontrollgruppe an

(p=0,0249) und 61% der Patienten der

Interventionsgruppe hatten sogar weni-

ger als drei Kopfschmerztage pro Monat

im Vergleich zu 40% unter einer Aufklä-

rung plus Medikation (p=0,0192).

Fazit:

Eine kognitive Verhaltensthera-

pie zusätzlich zu einer antidepressiven

Behandlung mit Amitriptylin reduziert

langfristig die Kopfschmerztage im

Vergleich zu einer Behandlung mit

Antidepressivum plus Kopfschmerzer-

ziehung.

Barbara Kreutzkamp

Kroner JW et al. Cognitive behavioral therapy

plus amitriptyline for children and adolescents

with chronic migraine reduced headache days

to ≤ 4 per month. Headache 2016;56(4):711–6