Schmerzmedizin 6 / 2017

ander verglichen werden könnten, be- tonte Reuter. Zwar nutzen fast alle Stu- dien die MHD-Reduktion pro Monat als primären Endpunkt, mit Ausnahme der HALO-CM-Studie, bei der primär die mittlere Veränderung der durchschnitt- lichen Kopfschmerztage von mindestens moderater Intensität geprüft wurde. Doch auch bei den Studien mit dem pri- mären Endpunkt „MHD-Reduktion“ gibt es teilweise Unterschiede hinsicht- lich des Erhebungszeitpunkts, der Basis- population und der Definition eines Migränetags. Injektion alle drei Monate genauso effektiv wie monatliche Gabe Trotz der Unterschiede deuten die Er- gebnisse der in Vancouver vorgestellten Studien alle in dieselbe Richtung, und sie ähneln denen der schon zuvor vorge- stellten Daten der Phase-III-Studien zu Erenumab. So hat Galcanezumab in den Dosierungen 120 mg beziehungsweise 240 mg in der REGAIN-Studie bei chro- nischer Migräne die MHD pro Monat signifikant um 4,83 beziehungsweise 4,62 Tage reduziert, verglichen mit 2,74 Tagen in der Placebogruppe. In der EVOLVE-1-Studie zu Galcane- zumab bei episodischer Migräne betrug die MHD-Reduktion 4,73 beziehungs- weise 4,57 Tage, gegenüber 2,81 Tagen bei Placebo, ähnlich der EVOLVE-2-Stu- die. Die Rate der Patienten mit mindes- tens 50%iger Verringerung der monat- lichen MHD lag in beiden EVOLVE-Stu- dien und Dosisgruppen zwischen 55% und 62%, gegenüber 36% bis 39% in den Placebogruppen. Für beide Studien wur- de auch die 75%-Response-Rate in Be- zug auf die monatlichen MHD berichtet, sie lag bei 33% bis 39% gegenüber 18% bis 19% bei Placebo. In den HALO-Studien mit Fremane- zumab waren die Ergebnisse im Prinzip ähnlich. Hier stach hervor, dass die vier- teljährliche Applikation von 675 mg durchweg ungefähr so effektiv war wie die monatliche Applikation von je 225 mg. So betrug die Rate der Patienten mit einer mindestens 50%-Reduktion der monatlichen beziehungsweise quar- talsweisen MHD bei einer Injektion alle drei Monate 44,4% und bei monatlicher Applikation 47,7%, gegenüber 27,9% bei Placebogabe. Auch der Unterschied beim MIDAS- Score, der die Funktionseinschränkung durch die Migräne beschreibt, war für beide Dosierungsschemata jeweils signi- fikant zugunsten des Antikörpers. Die Ergebnisse der HALO-CM-Studie bei chronischer Migräne, bei der in der Gruppe mit monatlicher Injektion ein- malig eine Loading-Dose von 675 mg ge- geben wurde, bestätigen die Daten der HALO-EM-Studie. Wirkungseintritt innerhalb von Tagen Den auf der Effektivitätsseite vielleicht wichtigsten Unterschied zwischen den neuen Antikörpern und den klassischen präventiven Medikamenten, die über- wiegend aus den Reihen der Betablocker, Antikonvulsiva und Antidepressiva stammen, sieht Reuter in dem deutlich schnelleren Ansprechen der Patienten. Während traditionelle migränepräven- tive Medikamente Wochen, teilweise Monate benötigen, bevor der Patient eine Wirkung verspürt, geht es bei den CGRP-Hemmern praktisch sofort los. Anhand unterschiedlicher in Vancou- ver vorgestellter Studiendaten lässt sich das gut illustrieren. So wurde in der PROMISE-1-Studie mit dem i. v. zu ap- plizierenden Eptinezumab untersucht, wie es sich mit Migräneanfällen am Tag direkt nach der Injektion verhielt. 33% der Patienten in der 100-mg-Gruppe und 32% der Patienten in der 300-mg- Gruppe hatten an diesem Tag eine Mig- räneattacke, gegenüber 53% in der Pla- cebogruppe. Auch bei den subkutan zu applizieren- den CGRP-Hemmern tritt der Effekt ausgesprochen rasch ein. Reuter berich- tete beispielhaft über eine Auswertung aus der Phase-III-Studie STRIVE, die den CGRP-Rezeptorantikörper Ere- numab bei Patienten mit episodischer Migräne untersucht hatte. Hier erreich- ten bei Applikation von 140 mg Ere- numab bereits in der ersten Woche 42,8% der Patienten eine mindestens 50%ige Reduktion der MHD, signifikant mehr als bei Placebotherapie, wo es nur 27,5% waren. Abbruchraten im unteren einstelligen Prozentbereich Ein rascher Wirkeintritt ist bei der Mig- räneprävention nicht zuletzt aus Adhä- renzgründen wichtig. Die Migräne­ prävention mit klassischen Medikamen- ten wird oft schon abgebrochen, bevor überhaupt eine Wirkung eintreten kann. So gab es Studien, bei denen die Adhä- renz der Migräneprophylaxe über sechs Monate nur bei etwa einem Viertel lag [Cephalgia 2015;35(6):478–88]. Haupt- grund für die Therapieabbrüche sind unerwünschte Wirkungen. Neben dem rascheren Wirkeintritt sieht Reuter bei der Verträglichkeit dann Tab. 1 Studiencharakteristika Phase-II-Studien Indikation Dosis Applikation Einschlusskriteri- um Präventi- on/MOH Galcanezumab Migräne 150 mg s. c. 2 × im Monat; 1,5 ml 4 – 14 Migräne­ tage/Monat nein/nein Eptinezumab häufige episodi­ sche Migräne 1000 mg i. v. Einzeldosis 5 – 14 Migräne­ tage/Monat nein/nein Fremane­ zumab hochfrequente episodische Migräne 225/ 675 mg s. c. 1 × im Monat 4 Injektionen 8 – 14 Kopf­ schmerztage mit ≥ 8 Migränetage/ Monat ja/ja Erenumab episodische Migräne 7/21/ 70 mg s. c. 1 × im Monat ;1 ml 4 – 14 Migräne­ tage/Monat <15 Kopfschmerz- tage mit >50% Migränetage nein/nein MOH: medication overuse headache , Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch Nach Vortrag U. Reuter, Berlin, IHC 2017 Schmerzmedizin 2017; 33 (6) 11

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