Schmerzmedizin 6 / 2017

CGRP-Hemmung in der Migräneprävention: Datenreihen zu Effektivität und Sicherheit Mit den Hemmstoffen des Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP) dürfte demnächst ein neues Therapieprinzip Einzug in die Migräneprophylaxe halten. Die Antikörper haben attraktive Applikationsschemata und werden zumindest auf 3-Monats-Sicht gut vertragen. In Vancouver wurden zu vier CGRP-Hemmern neue Effektivitäts- und Sicherheitsdaten vorgestellt. H emmstoffe des CGRP sind Antikör- per, die spezifisch für die Migräne- prophylaxe entwickelt wurden. Derzeit sind vier derartige Biologika in fortge- schrittener klinischer Entwicklung. Ep- tinezumab von Alder ist ein Antikörper gegen CGRP, der alle drei Monate i. v. injiziert wird. Ebenfalls direkt gegen CGRP gerichtet sind die subkutan zu ap- plizierenden Antikörper Galcanezumab (Lilly) und Fremanezumab (Teva). Gal- canezumab wird monatlich, Fremane- zumab entweder monatlich oder alle drei Monate gespritzt. Subkutan einmal pro Monat appliziert wird schließlich auch Erenumab von Novartis und Am- gen. Anders als die drei anderen Wirk- stoffe richtet sich der Erenumab-Anti- körper nicht gegen CGRP selbst, son- dern gegen den CGRP-Rezeptor. Phase-III-Studien deuten bei der Wirksamkeit in dieselbe Richtung Alle genannten Antikörper befinden sich derzeit in Phase-III-Studien zur Prophy- laxe der episodischen und/oder chroni- schen Migräne in den letzten Zügen. Die meisten Ergebnisse zu primären und wichtigen sekundären Endpunkten so- wie zur Sicherheit und Verträglichkeit in den erstenTherapiemonaten liegen jetzt vor. Sie wurden aber überwiegend noch nicht publiziert. Für den CGRP-Rezep- torantikörper Erenumab wurde bereits ein Zulassungsantrag in den USA einge- reicht. Zusammenfassend lasse sich konsta- tieren, dass alle genannten Antikörper sowohl in den Phase-II- als auch in den Phase-III-Studien den primären Wirk- samkeitsendpunkt erreicht hätten, so Professor Uwe Reuter von der Neurolo- gie der Charité Berlin amCampus Mitte. Die Verringerung der Tage mit Migräne­ kopfschmerz (Migraine Headache Days, MHD) pro Monat liege in etwa derselben Größenordnung wie bei den traditionel- len präventiven Medikamenten. Aller- dings werde bei einem Teil der Patienten ein sehr gutes Ansprechen beobachtet, mit einer Verringerung der monatlichen MHD um 75% und teilweise sogar 100%. In Vancouver wurden in einer Late- Breaking-Abstracts-Session Daten zu Wirksamkeitsendpunkten der Phase- III-Studien zu Galcanezumab bei chro- nischer Migräne (REGAIN) sowie bei episodischer Migräne (EVOLVE-1 und EVOLVE-2), zu Fremanezumab bei chronischer Migräne (HALO-CM) und episodischer Migräne (HALO-EM) so- wie zu Eptinezumab bei häufiger episo- discher Migräne (PROMISE-1) vorge- stellt. Zu berücksichtigen sei, dass diese Studienergebnisse nicht direkt mitein- ©© Randy Raszler / stock.adobe.com 18. Kongress der International Headache Society (IHC) in Vancouver Neue Horizonte tun sich auf „New Horizons in Headache“, so war der 18. IHC-Kongress betitelt – nicht nur mit Blick auf den Pazifik an der Westküste Kanadas. Neue Erfahrungen und Verheißungen sind auch am Horizont der Migräneforschung abzusehen. 10 Schmerzmedizin 2017; 33 (6) Medizin aktuell

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=