Schmerzmedizin 6 / 2017

BfArM-Ausschreibung Über sechs Tonnen Cannabis für vier Jahre — — Die beimBundesinstitut für Arzneimittel undMedizinprodukte (BfArM) eingerichtete Cannabisagentur hat für den Vier-Jahres- Zeitraum 2019 bis 2022 rund 6.600 Kilo- grammCannabis ausgeschrieben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke hervor. Die Regierung widerspricht damit Aussagen der Linken-Abgeordneten, wonach die Cannabisagentur für den frag- lichen Zeitraum lediglich 200 Kilogramm medizinisches Cannabis pro Jahr eingeplant und ausgeschrieben hätte. Diese Annahme sei „nicht zutreffend“, versichert das Bun- desgesundheitsministerium. Der Befürchtung, es könnte zu Liefereng- pässen kommen, hält die Regierung darü- ber hinaus entgegen, dass sich nach Maß- gabe der Ausschreibungsbedingungen die Auftragnehmer bereit erklärten, zusätzliche Mengen bereitzustellen. „Im Übrigen ist auch weiterhin ein Import von im Ausland angebautem Cannabis für medizinische Zwecke möglich“, heißt es. Allerdings kä- men für diesen Bezugsweg nur Herkunfts- länder infrage, in denen medizinisches Cannabis gemäß dem Einheitsübereinkom- men der Vereinten Nationen von 1961 an- gebaut wird. Derzeit seien Kanada und die Niederlande in der Lage, getrocknete Can- nabisblüten entsprechend rechtskonform nach Deutschland auszuführen. In Israel werde ein Cannabisexport auf inter­ ministerieller Ebene diskutiert. Eine Ent- scheidung stehe dort noch aus. (cw) Repräsentative Umfrage Wo sterben? – Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander — — Patientenverfügungen haben Aufwind. In den vergangenen fünf Jahren ist ihre Verbreitung in der Bevölkerung massiv ge- stiegen. Einer aktuellen Umfrage imAuftrag des Deutschen Hospiz- und Palliativverban- des (DHPV) zufolge verfügen inzwischen 43% der Erwachsenen über eine Patienten- verfügung, 2012 waren es nur 26%. Für den DHPV gilt dies als Beleg dafür, dass sich eine Mehrheit der Menschen in Deutschland eine intensivere gesellschaftliche Auseinan- dersetzung mit dem Sterben wünscht. Während die Beratung zu Patientenverfü- gungen und Vorsorgevollmachten in statio- nären Pflegeeinrichtungen von den Kassen vergütet werden, müssen niedergelassene Ärzte diese Beratungsleistungen umsonst erbringen oder privat liquidieren. Ambulante Hospizdienste und niedergelas- sene Ärzte sind als Berater zunehmend nachgefragt. Der DHPV plädiert daher für eine offen angelegte Strategie. „Wenn wir bei den Beratungen in die Breite wollen, kann die Aufnahme der Leistungen in den EBM ein Baustein sein“, sagte DHPV-Ge- schäftsführer Benno Bolze. Wunsch und Wirklichkeit, was den Ort des Sterbens angeht, klaffen nach wie vor weit auseinander. Auch dafür liefert die Umfrage Belege ( Abb. 1 ). Mehr als die Hälfte (58%) der von der Forschungsgruppe Wahlen te- lefonisch befragten Menschen will in den eigenen vier Wänden sterben. Tatsächlich sterben 58% der Menschen im Kranken- haus. Tendenziell hat seit der letzten Umfra- ge von 2012 die Bedeutung der Hospiz- und Palliativversorgung zugenommen. Der Anteil der Menschen, die sich vorstellen können, ihre letzten Stunden in einer Ein- richtung zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen zu verbringen, ist seit 2012 um 9% auf 27% gestiegen. Als Ansprechpartner bei Fragen rund um die Hospiz- und Palliativarbeit sind die Hausärzte stark gefragt. Mehr als jeder Dritte (35%) würde sich bei der Suche nach einem Platz im Hospiz oder in einer pallia- tivmedizinischen Einrichtung an seinen Hausarzt wenden. Dass versucht werde, ihnen an dieser Stelle Steine in den Weg zu legen, stößt beim Hausärzteverband auf Unverständnis. Einige der neuen von KVB und Kassen vereinbarten Palliativziffern fordern Fortbildungen, die der Hausärzte- verband mit der Weiterbildung als bereits erbracht ansieht, sagte Verbandssprecher Vincent Jörres gegenüber Springer Medizin. Die Versorgung ist noch lange nicht gut. Laut Vertretern des DHPV ist die Speziali- sierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV), auf die seit 2007 ein Anspruch be- steht, nach wie vor nicht flächendeckend umgesetzt. Ein Hindernis sei auch der Ärz- temangel auf dem Land. Arno Fricke 6.600 Kilogramm Cannabis sind für 2019 bis 2022 vom BfArM ausgeschrieben. ©© FatCamera / Getty Images / iStock Abb. 1 : Über 1.000 Menschen waren im Auftrag des des Deutschen Hospiz- und Palliativ- verbandes (DHPV) zum Thema Sterben befragt worden. zu Hause Hospiz/Pflegeheim Krankenhaus keine Angaben Prozent Wunsch Wirklichkeit 0 10 20 30 40 50 60 58% 23% 28% 19% 4% 58% 10% ©© DHPV, Deutsches Ärzteblatt 8 Schmerzmedizin 2017; 33 (6) Panorama

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