Schmerzmedizin 6 / 2017

CGRP-Antikörper effektiv zur Migräneprophylaxe — — Vier humanisierte monoklonale Antikör- per gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bzw. seinen Rezeptor befin- den sich derzeit in der klinischen Prüfung. Für Fremanezumab wird mit einer baldigen Zulassung gerechnet, denn es erwies sich in einer Phase-III-Studie als Add-on-Migräne- prophylaxe als effektiv. Die Therapie mit den bisherigen Migräne- prophylaktika wird häufig wegen Neben- wirkungen undmangelnder Wirkung abge- brochen. Diese Nachteile sollen mit den neuen CGRP-Antikörpern – einer erstmals spezifischen Therapie – überwunden wer- den, wie Professor Uwe Reuter, Berlin, beim Schmerzkongress in Mannheim berichtete. Zudem versprechen sie als nur einmal mo- natlich oder vierteljährlich zu applizierende Medikamente einen großen Einnahmekom- fort und damit bessere Therapieadhärenz. Die Wirkung tritt zudem schnell ein. In der HALO-Studie vermochte Fremane- zumab als Add-on zur bestehenden medi- kamentösen Prophylaxe sowohl bei Patien- tenmit episodischer Migräne (EM), als auch bei Patientenmit chronischer Migräne (CM) die Zahl der Migränetage pro Monat signi- fikant zu reduzieren. Unter der einmal mo- natlichen Gabe nahm die Zahl der monatli- chen Migränetage bei EM-Patienten um 3,7 Tage ab, bei vierteljährlicher Gabe um 3,4 Tage, unter Placebo betrug die Reduktion 2,3 Tage. Bei CM-Patienten führte Fremane- zumab zu 4,6 bzw. 4,3 weniger monatlichen Migränetagen gegenüber einer Reduktion um 2,5 Tage unter Placebo. Der Anteil der Patientenmit einer 50%igen Verbesserung lag unter Verumbei 40% und unter Placebo bei 24%. Auch schwierig zu behandelnde Migränepatienten sind laut Reuter mit den CGRP-Antikörpern gut behandelbar, wie aus den Ergebnissen zu Therapieversagern geschlossen werden könne. Dr. Wiebke Kathmann Lunch-Symposium „Die Herausforderungen in der Behandlung der Volkskrankheiten Migräne und Chronischer Rückenschmerz“; im Rahmen des deutschen Schmerzkongresses 2017, Mann- heim, 12.10.2017; Veranstalter: Teva GmbH Muskelrelaxanzien bei Rückenschmerzen – Neue Evidenz aus dem Praxisalltag — — Kreuz- und Rückenschmerzen haben ihren Ursprung meist in der Muskulatur. Deshalb macht es Sinn, gezielt den patho- logisch erhöhten Muskeltonus anzugehen. Aktuelle Daten aus der Versorgungsfor- schung zeigen gute Erfolge mit dem Myo- tonolytikum Methocarbamol, selbst bei chronifizierten Beschwerden. Die Bedeutung von Muskelrelaxanzien in der Therapie akuter und chronischer Rü- ckenschmerzen wird in der Nationalen Versorgungsleitlinie unterschätzt, kritisierte PD Dr. Michael Überall, Nürnberg. So wer- den derzeit als einzige evidenzbasierte Option nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) empfohlen. Zu Unrecht, meint der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Zum einen sind NSAR bei vielen Patienten kontraindiziert, zum anderen helfen sie bei muskulär bedingtem Schmerz oft nur unzureichend. Überall ist überzeugt, dass in die Wirksam- keitsbeurteilung eines Arzneimittels auch Erfahrungen aus der täglichen Praxis einflie- ßen sollten. In diesem Zusammenhang stellte er das PraxisRegister „Schmerz“ vor, ein bundesweites Versorgungsforschungs- projekt mit aktuell etwa 180.000 Behand- lungsfällen. Aus diesemDatenpool wurden im Quartal IV/2015 alle Fälle mit der Indika- tion „Rückenschmerz“ herausgefiltert, die neu mit Methocarbamol ( ) behan- delt und über vier Wochen dokumentiert worden waren (n = 251). ImKollektiv fanden sich meist vorbehandelte Patienten mit subakuten Schmerzen. Bereits nach Woche eins berichteten die Patienten über eine spürbare Schmerzlinderung um > 20 mm auf der visuellen Analogskala (VAS). Am Ende der vierten Woche erreichten neun von zehn Patienten VAS-Werte ≤ 30 mm. Dass es sich durchaus lohnen kann, über die gängige Therapieempfehlung von vier Wochen hinaus zu behandeln, zeigte eine zweite Analyse von 230 chronischen Rü- ckenschmerzpatienten, die Methocarbamol bis zu zwölf Wochen lang eingenommen hatten. Trotz schlechterer Ausgangsbedin- gungen erlebte jeder zweite Patient eine mindestens 50%ige Schmerzreduktion, je- der dritte Patient hatte einen Zusatznutzen, wenn länger als vier Wochen behandelt wurde. „Eine erstaunlich gute Responderra- te in Anbetracht des komplexen Kollektivs“, urteilte Überall. Dr. Martina-Jasmin Utzt Symposium „Behandlung von Rückenschmer- zen: Von Muskelspindeln bis zur Versorgungs- forschung“ im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses 2017, Mannheim, 12.10.2017; Veranstalter: Recordati Pharma Abb. 1 : Abnahme der Migränetage bei episodischer Migräne unter Fremanezumab bei monatlicher Gabe Placebo 225 mg 675 mg ** p < 0,001 *** p < 0,0001 ** ** *** *** *** *** Baseline Woche 1 Woche 2 Woche 3 0 –0,2 –0,4 –0,6 –0,8 –1,0 –1,2 –1,4 –1,6 –1,8 Veränderung der Migräne-Tage (kumulativ) ©© mod. nach Bigal M et al. 18. IHC-Kongress 2017, Vancouver 54 Schmerzmedizin 2017; 33 (6) Industrieforum

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