Schmerzmedizin 6 / 2017

§ 3 Abs. 1: Das Krankenhaus stellt ein standardisiertes Entlassmanagement in multidisziplinärer Zusammenarbeit sicher und etabliert schriftliche, für alle Beteiligten transparente Standards. Abs. 2: Zur Gewährleistung eines nahtlosen Überganges des Patienten in die nachfolgenden Versorgungsbereiche wird unter Verantwortung des Kranken­ hausarztes durch die Anwendung eines geeigneten Assessments patientenindivi­ duell ein Bedarf für die Anschlussver­ sorgung möglichst frühzeitig erfasst und ein Entlassplan aufgestellt. Für Per­ sonengruppen mit einem komplexen Versorgungsbedarf nach der Entlassung ist es sinnvoll, Vorkehrungen für ein umfassendes Entlassmanagement im Rahmen eines differenzierten Assess­ ments zu treffen. Abs. 7: Am Tag der Entlassung erhält der Patient mit dessen Einwilligung für den die Anschlussversorgung durchführen­ den Arzt einen Entlassbrief, mindestens jedoch einen vorläufigen Entlassbrief gemäß § 3 dieses Rahmenvertrages. § 8: Kommunikation mit den Leistungs­ erbringern und der Anschlussversor­ gung Abs. 1: Das Krankenhaus stellt den In­ formationsaustausch mit den an der An­ schlussversorgung des Patienten betei­ ligten Leistungserbringern sicher. Es ist noch viel zu tun Die Kliniken stellen in diesen Wochen und Monaten umfangreiche Bemühun­ gen an, um die Abläufe imKrankenhaus den gesetzlichen Forderungen anzupas­ sen. Es besteht zurzeit die Chance, Kli­ niken auf die Spezifika der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung hin­ zuweisen mit dem Ziel, durch geeignete Screeninginstrumente den ambulanten palliativmedizinischen Versorgungsbe­ darf zu erkennen und den Weiter­ behandlern Hinweise darauf zu geben. Bei Patienten mit ausgeprägter, komple­ xer Symptomatik ist dieses Vorgehen heute bereits etabliert – etwa durch Ein­ beziehen von Palliativpflegediensten zur ambulanten Fortführung der Behand­ lung (Infusion, Wundversorgung). Einen wirklichen Handlungsbedarf mit vielversprechenden Chancen sehe ich allerdings für den Bereich der allge­ meinen ambulanten Palliativversorgung – existieren doch ab dem 1. Oktober 2017 neue Leistungsinhalte für die ambulan­ te palliativmedizinische Versorgung durch den Vertragsarzt im EBM. In Westfalen-Lippe wird die Betreuung der Patienten im Rahmen der „Vereinba­ rung zur ambulanten palliativmedizini­ schen Versorgung“ fortgeführt. Und besonders hier wäre ein Hinweis im Ent­ lassbrief für den Vertragsarzt doch mehr als hilfreich. Wir als Palliativmediziner sind doch davon überzeugt, dass der Haus- oder Facharzt die Patienten nicht im Alleingang nach den im EBM gelten­ den Abrechnungsmöglichkeiten ver­ sorgt, sondern die Patienten im Rahmen der „Vereinbarung zur ambulanten pal­ liativmedizinischen Versorgung“ be­ handelt. Diese Vereinbarung wurde zum 1. Oktober 2017 nochmals überarbeitet und ihre finanzielle Ausstattung für den Haus- und Facharzt, der nicht im PKD tätig ist, attraktiver gestaltet. Eine 24-stündige Bereitschaft als alleiniger Behandler für den Patienten zu gewähr­ leisten dürfte mehr als schwierig sein. Als Screeninginstrument für einen all­ gemeinen ambulanten palliativmedizi­ nischen Versorgungsbedarf in der Kli­ nik eignen sich etablierte Instrumente wie MIDOS nur bedingt. Hier sind die Fakten der weit vorangeschrittenen und zum Tode führenden Erkrankung we­ sentlich, im Zentrum aller Bemühungen sollte immer die Lebensqualität des Pa­ tienten stehen. Eine aktive Behandlung der Erkrankung etwa durch einen On­ kologen oder Strahlentherapeuten ist dabei ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Hoffen wir darauf, dass im Rahmen des zukünftig reorganisierten Entlass­ managements der Kliniken auch die Versorgung der Palliativpatienten eine weitere Verbesserung erfährt. Dr. med. Eberhard A. Lux, Lünen ©© Syda Productions / Fotolia Ein Entlassbrief vom Klinikarzt soll den Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Palliativversorgung vereinfachen. Schmerzmedizin 2017; 33 (6) 53

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