Schmerzmedizin 6 / 2017

Entlassmanagement Chance für die ambulante Palliativversorgung Nach der Erweiterung des EBM um acht neue Ziffern zur Abrechnung von Palliativleistungen soll nun auch ein Rahmenvertrag zum Entlass- management helfen, die ambulante Palliativversorgung für die Patien- ten zu optimieren. E rreichen wir zur gegebenen Zeit mit unseren Versorgungsstrukturen in Westfalen-Lippe alle Patienten, welche eine ambulante Palliativversor- gung benötigen? Die Antwort auf diese Frage wird in den einzelnen Bereichen der Palliativ- medizinischen Konsiliardienste (PKD) sicher sehr unterschiedlich gegeben. Wovon hängt diese jedoch ab? Ohne Frage vom Engagement der be- treuenden Haus- und Fachärzte, wobei die Entwicklung einer gelebten Koope- ration zwischen Haus- und Fachärzten und dem PKD entscheidend ist. Viele Patienten werden jedoch in Kliniken, in die sie mit mehr oder minder ausgepräg- ter Symptomatik eingewiesen werden, als Palliativpatienten identifiziert, so- fern die beteiligten Ärzte, aber auch die organisatorischen Instanzen (z.B. Sozi- aldienste) von den möglichen weiterbe- treuenden Strukturen (PKD) Kenntnis haben. Für Patienten mit ausgeprägter und komplexer Symptomatik, die spezi- elle Versorgungsstrukturen für die wei- tere erfolgreiche ambulante palliativ­ medizinische Versorgung benötigen, können Krankenhausärzte in den Bun- desländern außerhalb von Nordrhein- Westfalen durch das Ausfüllen des For- mulars 63 Leistungen der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) verordnen. Große Hoffnungen Dieser Behandlungsstrang ist in Westfa- len-Lippe nicht gegeben. In unserem KV-Bereich erfolgt die allgemeine am- bulante palliativmedizinische Versor- gung (AAPV) und die SAPV gemäß der „Vereinbarung zur ambulanten Palliativ- versorgung“. Dass in Krankenhausent- lassbriefen auf eine empfohlene Integra- tion in ambulant palliativmedizinisch Strukturen hingewiesen wird, dürfte bisher noch nicht standardmäßig erfol- gen und in vielen Kliniken die Ausnah- me darstellen. Nun existiert ein Rah- menvertrag über das Entlassmanage- ment mit dem Ziel, die Schnittstelle Krankenhaus – ambulante Versorgung zu entschärfen. Diese Forderungen sind im § 39 Abs. 1a S. 9 SGB V (Rahmenver- trag Entlassmanagement) aktuell neu geregelt worden und treten zum 1. Ok- tober 2017 inkraft. Dieser Rahmenver- trag formuliert: § 2 Abs. 1: Ziel des Rahmenvertrages ist es, die bedarfsgerechte, kontinuierliche Versorgung der Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung zu ge- währleisten. Hierzu gehört eine struktu- rierte und sichere Weitergabe versor- gungsrelevanter Informationen. Abs. 2: Der Patient und seine Bedürfnis- se stehen im Zentrum der Bemühungen aller an der Versorgung beteiligten Per- sonen. Das Entlassmanagement erfolgt patientenindividuell, Ressourcen- und teilhabeorientiert und trägt in enger Abstimmung mit dem Patienten und dessen gesetzlichem Vertreter/Betreuer dem individuellen Hilfe- und Unter- stützungsbedarf des Patienten Rech- nung. Unsere Ziele sind: — Qualitätsindikatoren in der ambulan- ten Palliativmedizin zu definieren und weiterzuentwickeln, — Betroffene und Angehörige über die Möglichkeiten einer fachgerechten palliativmedizinischen Versorgung zu informieren, — die Diskussion über ethische und rechtliche Fragestellungen am Lebensende anzustoßen und zu vertiefen, — ein langfristiger Kulturwandel im Umgang mit Tod und Sterben. Berufsverband der Palliativmediziner in Westfalen-Lippe e.V. Geschäftsstelle: Sabine Schäfer Dieckmannstraße 200 48161 Münster Tel. 02 51 / 5308-9960 E-Mail: info@bv-palliativmediziner.de Öffentlichkeitsarbeit: Dr. med. Eberhard A. Lux Klinik für Schmerz- und Palliativmedizin am Klinikum St.-Marien-Hospital Lünen Telefon: 02306 77-2920 Fax: 02306 77-2921 E-Mail: drlux@web.de www.bv-palliativmediziner.de Berufsverband der Palliativmediziner 52 Schmerzmedizin 2017; 33 (6) in Westfalen-Lippe e.V.

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