Schmerzmedizin 6 / 2017

Interview zur Versorgung von Zoster-Patienten „Uns geht es um die Vernetzung der Ärzte“ Gute Rahmenbedingungen wirken sich günstig auf die Prognose von Zoster-Patienten aus. Dazu gehören die regionale Vernetzung von Primär- und Fachärzten sowie Versorgungsverträge mit den Krankenkassen. ?? Herr Dr. Emrich, die Leitlinie zur The- rapie bei Herpes zoster ist bereits 15 Jah- re alt. Gibt es nichts Neues auf diesemGe- biet? Dr. Oliver Emrich: Eine Aktualisierung der Leitlinie durch die Deutsche Dermatologi- sche Gesellschaft soll Ende 2018 vorliegen. Und ja: Es gibt im Vergleich zu 2002 eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse. Uns Schmerztherapeuten ist es besonders wichtig, dass nicht nur lokal und antiviral behandelt, sondern dass auch der Schmerz frühzeitig bekämpft wird. Das wird nach der Erfahrung der Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS) häufig nicht ernst genug genommen. ?? Die DGS hat kürzlich angekündigt, einen Paradigmenwechsel in der ambu- lanten Versorgung von Schmerzpatienten einleiten zu wollen. Was bedeutet das für Patienten mit Zoster und mit Postzoster- Neuralgie? Emrich: Uns geht es umdie Vernetzung der maßgeblich beteiligten Primär- und Fach- ärzte. Zoster-Patienten und Patienten mit Postzoster-Neuralgie brauchen den Haus- arzt, bei dem alles zusammenläuft, sie brauchen gegebenenfalls einen Dermato- logen, der zum Beispiel den Ausschlag be- urteilt, wenn nicht sicher ist, dass dies ein Zoster ist. Hinzu kommt gegebenenfalls ein ausgewiesener Schmerztherapeut, umden neuropathischen Schmerz möglichst sofort gezielt zu behandeln. Es tut weiterhin gut, wenn ein Neurologe imNetzwerk vertreten ist. ?? Arbeiten Sie selbst in einem solchen Netzwerk? Emrich: Ja, dieses Netzwerk nennt sich „Gesundheitsorganisation Ludwigshafen“ – GO-LU. Dort sind bislang etwa die Hälfte der regional tätigen, niedergelassenen Ärzte organisiert und mit ihren spezifi- schen Kompetenzen angemeldet. Hier findet eine netzinterne Steuerung von Überweisungen statt. Es gibt Krankenkas- sen wie die Techniker Krankenkasse, die die schnelle Überweisung zum und die Annahme durch den Facharzt auch hono- rieren. Die entsprechenden Versorgungs- verträge sind über die Kassenärztliche Vereinigung abgeschlossen worden. Integrierte Versorgungsstrukturen gibt es für Patienten mit Postzoster-Neuralgie, wenn also eine Schmerzkrankheit aufgetre- ten ist. Für die Frühversorgung der künftig voraussichtlich zunehmenden Zahl von Zoster-Patienten gibt es noch keine Versor- gungsverträge. Das wäre aus unserer Sicht aber sehr wünschenswert, und zwar auf breiter Ebene. Vorstellungen dazu gibt es bereits. ?? Was raten Sie Kollegen? Emrich: Die regionale Vernetzungsstruktur ist das Wichtigste. Bestehen keine Netze, müssen diese geschaffen werden. Zu klä- rende Fragen sind dann: Wie definiere ich das Netz? Wer ist wofür zuständig? Wie se- hen die Versorgungswege inmeiner Region aus? Auf den Seiten der Gesundheitsorga- nisation Ludwigshafen finden sich Hinweise für interessierte Kolleginnen und Kollegen. Schmerzmediziner sollten in diese multidis- ziplinäre Netzwerkstruktur aufgenommen werden, um zu gewährleisten, dass unter anderem Zoster-Patienten gezielt und aus- reichend schmerzmedizinisch versorgt werden. !! Das Interview führte Thomas Meißner „ Die regionale Vernet- zungsstruktur ist das Wichtigste. Bestehen keine Netze, müssen diese geschaffen wer- den. “ Dr. med. Oliver Emrich Vizepräsident der Deutschen Gesell- schaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Leiter des Regionalen Schmerzzent- rums DGS Ludwigshafen „Uns Schmerztherapeuten ist es besonders wichtig, dass nicht nur lokal und antiviral behandelt, sondern dass auch der Schmerz frühzeitig bekämpft wird.“ DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 46 Schmerzmedizin 2017; 33 (6)

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