Schmerzmedizin 6 / 2017

Stichprobe von mehr als vier Millionen GKV-Patienten aus dem Jahr 2014 aus- gewertet. 0,8% von ihnen hatten eine LONTS erhalten, die per Definition in mindestens drei aufeinander folgenden Quartalen verordnet worden war. Die durchschnittliche Tagesdosis lag bei 48,0 mg MEQ. 9,9% der Patienten beka- men mehr als 120 mg MEQ am Tag. In dieser Hochdosisgruppe betrug die Do- sis im Mittel 211 mg MEQ/d. In der leit- liniengemäß behandelten Gruppe lag sie bei durchschnittlich 30 mg MEQ/d. Eine hochdosierte Opioidtherapie wurde häufiger bei 40- bis 59-Jährigen und bei Männern verschrieben, außer- dem bei Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen, Bandscheiben- schäden, Osteoporose, somatoformen Störungen und Depression. Schmerzen im Zusammenhang mit den beiden letztgenannten Ursachen sollen laut Leitlinie nicht mit Opioiden behandelt werden. Laut Häuser und Kollegen scheint es jedoch in USA und Europa die Tendenz zu geben, ausgerechnet Patien- ten mit psychiatrischen Komorbiditäten und damit dem höchsten Risiko für ne- gative Folgen bevorzugt hochdosierte Opioidlangzeittherapien zu verschreiben. Ein negativer Effekt der Hochdosis- therapie, den die Schmerzexperten fest- gestellt haben, ist, dass sie häufiger mit riskanten Medikamentenverordnungen verbunden war. So bekamen die Patien- ten beispielsweise öfter als leitlinien­ gerecht behandelte LONTS-Patienten gleichzeitig auch Tranquilizer (14,3% vs. 11,0%) oder Antidepressiva (53,1% vs. 38,2%). Die Opioidverordnungen stammten zudem häufiger von mehr als drei verschiedenen Ärzten (8,5% vs. 6,3%). Außerdem gab es bei den Hoch- dosispatienten mehr Indizien für Miss- brauch oder Abhängigkeit von den ver- ordneten Opioiden: Sie wurden signifi- kant häufiger wegen psychischer oder Verhaltensauffälligkeiten bzw. Intoxika- tionen durch Opioide und weitere Subs- tanzen im Krankenhaus behandelt (2,9% vs. 1,6%). Darüber hinaus war die Hochdosistherapie auch mit höheren Gesundheitsausgaben verbunden. Fazit: Nach den Worten der Studienau- toren bestätigt die Analyse die Empfeh- lungen der LONTS-Leitlinie, Tagesdo- sierungen von maximal 120 mg MEQ einzusetzen. Bei Patienten mit chroni- schen Schmerzen und begleitenden psy- chiatrischen Erkrankungen sei besonde- re Vorsicht geboten Dr. Beate Schumacher Häuser W et al. Guideline-recommended vs high-dose long-term opioid therapy for chronic noncancer pain is associated with better health outcomes: data from representative sample of German population. Pain 2017; Online 25. Sep- tember Schmerzmedizin 2017; 33 (6) 25 Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin M. Thöns, T. Sitte (Hrsg.) RepetitoriumPalliativmedizin Zur Vorbereitung auf die Prüfung Palliativmedizin 2. Aufl. 2016. XVII, 332 S. 50 Abb. Brosch. € (D) 39,99 | € (A) 41,11 | *sFr 41,50 ISBN 978-3-662-49324-3 € 29,99 | *sFr 33,00 ISBN 978-3-662-49325-0 (eBook) • Basiswissen und Fallbeispiele • Für die Prüfung und die Praxis • Optimale Hilfe bei konkreten und schwierigen Fragestellungen im Klinik- und Praxisalltag Das vorliegende Buch orientiert sich an denWeiterbildungsinhalten für die Zusatzbezeichnung„Palliativmedizin“. Ein Herausgeber- und Autorenteam aus der Praxis der ambulanten und stationären Palliativversorgung vermittelt prägnant und praxisnah die wesentlichen Aspekte für die Begleitung Sterbender. Jetzt bestellen auf springer.com/shop oder in Ihrer lokalen Buchhandlung A29331 € (D) sind gebundene Ladenpreise in Deutschland und enthalten 7 %MwSt. € (A) sind gebundene Ladenpreise in Österreich und enthalten 10 %MwSt. Die mit * gekennzeichneten Preise sind unverbindliche Preisempfehlungen und enthalten die landesübliche MwSt. Preisänderungen und Irrtümer vorbehalten. springer.com

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