Schmerzmedizin 6 / 2017

©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. Insomnie beeinflusst Profil des Spannungskopfschmerzes Spannungskopfschmerzen sind meist leicht und harmlos. Bei zusätzlicher Insomnie steigt jedoch die Rate von Erkrankungsschwere und Komorbidität. Eine Querschnittsstudie umreißt den Einfluss von Schlafstörungen auf das klinische Kopfschmerzprofil. P atienten mit Spannungskopfschmerz haben ein erhöhtes Insomnie-Risiko, umgekehrt erhöht zu wenig oder zu viel Schlaf das Risiko für Spannungskopf- schmerzen. Noch weiß man allerdings wenig über die Auswirkungen einer In- somnie auf das klinische Erscheinungs- bild von Spannungskopfschmerzen. Mit den nun vorgelegten Daten der bevölkerungsbasiert durchgeführten Korean Headache-Sleep Study (KHSS) lassen sich genauere Aussagen über die Prävalenz und den Einfluss von Schlaf- störungen bei Patienten treffen, die un- ter Spannungskopfschmerzen leiden. In die Querschnittsstudie einbezogen wur- den 2.695 erwachsene Teilnehmer, 21,2% von ihnen erfüllten die Kriterien für Spannungskopfschmerzen (Interna- tional Classification of Headache Disor- ders, beta-Version) und 10,8% die Krite- rien für eine Insomnie (Insomnia Seve- rity Index Score ≥ 10). 19,8% der Patien- ten mit Spannungskopfschmerz wiesen zusätzlich Zeichen einer möglichen Migräne auf. Patienten mit Spannungskopfschmerz litten im Vergleich zu den Teilnehmern ohne Kopfschmerz signifikant häufiger an einer Insomnie (13,2% vs. 5,8%, p<0,001). Signifikante Unterschiede in der Insomnie-Prävalenz zwischen den Kopfschmerzpatienten mit und ohne Mi- gräne ergaben sich nicht. ImVergleich zu Kopfschmerzpatienten ohne Insomnie hatten die Teilnehmer mit Kopfschmer- zen und mit Insomnie signifikant höhe- re Werte bei der Kopfschmerzhäufigkeit (median 1,0, Interquartilsabstand [IQR] 0,3–3,0 vs. 0,4, IQR 0,2–1,0, p=0,002). Gleiches galt für die bei der per visueller Analogskala festgestellte Kopfschmerzin- tensität (median 5,0, IQR 4,0–7,0 vs. 4,0/3,0–6,0; p<0,001), den Scores des Headache Impact Test-6, einem Fragebo- gentest zu kopfschmerzbedingten Beein- trächtigungen von schulischen, berufli- chen und sozialen Aktivitäten (median 46,0/40,0–52,0 vs. 42,0/38,0–46,0; p < 0,001), der Prävalenz von Angstsympto- men in der Goldberg Anxiety Skala (28,0% vs. 6,7%; p<0,001) sowie der Prä- valenz von Depressionssymptomen in der koreanischen Version des Health Questionnaire-9 (21,3% vs. 1,6%; p<0,001). Fazit: Spannungskopfschmerzen werden überdurchschnittlich häufig von einer Insomnie begleitet. Die Insomnie erhöht die Attackenfrequenz und -intensität so- wie das Risiko für eine ängstlich oder depressiv gefärbte Komorbitität. Das sollte im Management dieser Schmerz- patienten berücksichtigt werden. Dr. Barbara Kreutzkamp Kim J et al. Insomnia in tension-type headache: a population-based study. J Headache Pain 2017;18(1):95 Schlafstörungen beeinflussen auch die Kopfschmerzintensität und -frequenz. ©© OcusFocus / Getty Images / iStock Literatur kompakt  22 Schmerzmedizin 2017; 33 (6)

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