Schmerzmedizin 6 / 2017

Rückenschmerz: Projekt „RiSe-uP“ des Schmerznetzes Bayern am Start Unter dem Titel „ R ücken i nnovative S chmerztherapie mit e -Health für u nsere P atienten“ ist in Bayern ein Experiment zur telemedizinischen Vernetzung an den Start gegangen, das Patienten mithilfe von e-Tools zum Selbstmanage- ment befähigen soll. R iSe-uP ist ein beispielhaftes e-Health- Projekt für Rückenschmerzpatienten und wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses, die AOK Bayern und die Technische Universität München gefördert. Wie Professor Thomas Tölle, Neurologische Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar, München, beim Schmerz- kongress berichtete, umfasst es drei As- pekte: 1. den Therapienavigator, eine elektroni- sche Fallakte mit Behandlungsalgo- rithmen basierend auf der Nationalen Versorgungsleitlinien Kreuzschmerz und einer Risikostratifizierung für eine Chronifizierung anhand von ‚yel- low flags’. 2. Telemedizinische Strukturen zur Kommunikation zwischen allen Behandlungsebenen im Verlauf der Behandlung, 3. e-Health in Form der Kaia-Rücken- App für Patienten, die eine aktive Ein- bindung des Patienten mittels eines CE-zertifizierten, multimodalen Be- handlungsprogramms für Edukation, physische und psychische Übungen umfasst. Chronifizierung früh erkennen und vermeiden Ziel des Projektes ist es laut Tölle, zu prüfen, ob durch diese Art von Patien- tenversorgung eine Chronifizierungsten- denz früher erkannt und diese durch die im Behandlungspfad festgelegten Inter- ventionen inklusive App-Anleitung für Patienten minimiert werden kann. Deu- ten sich besondere Probleme an, kann im Rahmen eines Telekonsils ein multipro- fessionaler Ansatz im Sinne einer multi- modalen Therapie initiiert werden. Der Patient beantwortet bei diesem Projekt bei seiner Anmeldung Fragen zu seinem Befinden selbstständig am PC oder Tablet. Im Behandlungszimmer er- folgt dann die Auswertung beziehungs- weise Verlaufskontrolle. Für den Arzt bedeutet die direkte Verarbeitung der Daten eine wertvolle Hilfe. Zudem er- hält er Unterstützung für seine Entschei- dungen und kann alle Ergebnisse expor- tieren, ausdrucken und dem Patienten- verwaltungsprogramm als Word-Datei oder PDF beifügen. Die elektronische Akte kann vomArzt, Patienten oder auch Ko-Therapeuten eingesehen werden. Für die Datensicherheit und das Qua- litätsmanagement ist bei der Kaia-App durch die CE-Kennzeichnung und TÜV- Zertifizierung gesorgt – die SSL-Daten- sicherheit ist klar geregelt, Serverstand- ort ist Deutschland. Kooperierende Partner müssen dieselben Standards er- füllen. Konfiguration des Angebots Das Angebot an den Patienten ist drei- geteilt und besteht aus den Elementen Einstufungstest, der vom Arzt durchge- führt und ausgewertet wird, körperliche Übungen in Videoform, die an das Be- schwerdebild und den Schweregrad an- gepasst sind, sowie die Edukation zu chronischen Schmerzen. Bricht der Pa- tient eine Informationseinheit ab, er- scheint sie nach einer gewissen Zeit wie- der als Angebot auf dem Bildschirm, ge- folgt von einer Überprüfung des Schmerzlevels und der Schlafqualität. Gewünscht ist die aktive Mitwirkung des Patienten, der die App immer wieder durcharbeitet und so eine bessere Funk- tionalität und Lebensqualität erreichen kann. Dr. Wiebke Kathmann „Digitale Revolution in der Behandlung chroni- scher Schmerzen: e- und m-Health als Durch- bruch?!“, Deutscher Schmerzkongress, Mann- heim, 13. Oktober 2017

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