Schmerzmedizin 6 / 2017

Neue Targets für die Migränetherapie Geeignete molekulare Zielstrukturen für die Migränetherapie sind weiterhin dringend gesucht. Forscher interessieren sich derzeit besonders für das Endocannabinoid-System und die Kappa-Opioid-Rezeptoren. J e besser das Verständnis der moleku- laren Signalketten beimKopfschmerz, umso eher lassen sich Ansatzpunkte fin- den, bei denen es sich lohnen könnte, mit Medikamenten zu intervenieren. Beim IHC-Kongress 2017 berichtete Cristina Tassorelli von der Universität Padvia, Italien, über experimentelle Ar- beiten, bei denen in das Endocannabi- noid-System eingegriffen wurde. Endocannabinoide wie Anandamid sind Botenstoffe des Nervensystems. Der Abbau erfolgt über die Lipase MAGL und die Hydrolase FAAH. Im Zusam- menhang mit Migräne sei es wichtig, dass Anandamid die Aktivierung des trigeminovaskulären Systems hemmen kann. Eine Verstärkung der Ananda- mid-Wirkung über eine Hemmung des Abbaus von Endocannabinoiden sei des- wegen eine potenzielle Strategie zur Prä- vention und Therapie der Migräne. Am meisten Erfahrungen gebe es hierbei mit FAAH-Hemmstoffen, die allerdings in anderen klinischen Kontexten erhebliche Nebenwirkungen hatten. Es gab in einer Phase-I-Studie sogar einen Todesfall. Tassorelli setzt deswegen auf rein peri- pher wirksame FAAH-Hemmer wie URB937. In Tiermodellen führte eine Therapie mit der experimentellen Subs- tanz unter anderem zu einer Suppression des mit Migräne assoziierten Calcitonin- Gene-Related-Peptide (CGRP). Ein anderes künftiges „Target“ für Mi- gränemedikamente könnte der Kappa- Opiod-Rezeptor (KOR) sein, über den Dr. Frank Porreca von der Universität Arizona berichtete. Der KOR ist ein Re- zeptor, der über eine Hormonkaskade mit Corticotrophin und Dynorphin Stressfolgen vermittelt. Stress ist ein wichtiger Trigger für Migräneattacken, sodass KOR-Antagonisten bei der Prä- vention stressgetriggerter Migräneatta- cken nützlich sein könnten. Auch hier gibt es zumindest aus Mig- ränemodellen vielversprechende erste Daten. So blockieren KOR-Inhibitoren ähnlich wie CGRP-Antikörper die stres- sinduzierte Allodynie in mit Sumatrip- tan sensitivierten Ratten [Xie JY et al. Cephalgia 2017;37(8):780–94]. Vor die- sem Hintergrund sprach sich Porreca für eine vorsichtige klinische Weiterent- wicklung der KOR-Hemmung aus. Philipp Grätzel von Grätz Tassorelli C. Endocannabinoids; Porreca F: Kap- pa opioid receptors. Plenary Session Emerging targets for migraine treatment. 18. IHC-Kon- gress, Vancouver/Kanada, 9. September 2017

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